Beste Schlittelstrecken in der Schweiz: von Preda-Bergün bis Grindelwald
Was ist die beste Schlittelstrecke in der Schweiz?
Die Strecke Preda–Bergün in Graubünden ist mit 6 km und 400 Höhenmetern die längste beleuchtete Schlittelstrecke der Schweiz. Die Abfahrt vom Faulhorn nach Grindelwald First ist landschaftlich die spektakulärste. Beide bieten Nachtschlitteln an beleuchteten Abenden.
Schlitteln in der Schweiz: eine ernsthafte Wintertradition
| Auf einen Blick | |
|---|---|
| Wo | Graubünden (Preda-Bergün), Berner Oberland (Grindelwald, First), Zentralschweiz (Engelberg, Rigi), Davos |
| Kosten | Schlittenmiete rund CHF 10–20/Tag; Zug-/Seilbahnzugang oft durch den Swiss Travel Pass abgedeckt |
| Benötigte Zeit | Ein halber Tag für ein bis zwei Abfahrten; ein ganzer Tag, wenn eine Bergabfahrt mit einer Dorfabfahrt kombiniert wird |
| Anreise | Bahn/PostAuto zur Ausgangsstation der Strecke (Preda, Grindelwald, Engelberg, Rigi-Stationen, Davos) |
| Beste Zeit | Ende Dezember bis Mitte März, schneeabhängig |
In den meisten Ländern ist Schlittenfahren etwas, das Kinder auf einem verschneiten Hügel in der Nähe tun. In der Schweiz ist es eine richtig organisierte Winteraktivität mit eigenen Strecken von mehreren Kilometern, offizieller Zeitmessung, Mietbetrieben, Zugang per Bergbahn und teilweise Beleuchtung für Nachtabfahrten. Das Schweizer Schlitteln zieht Teilnehmer jeden Alters an und wird so ernst genommen, dass es sogar nationale Wettbewerbe gibt.
Die in diesem Guide beschriebenen Strecken sind natürliche Berghänge, die für sichere Schlittelabfahrten präpariert werden, keine künstlichen Bahnen (dazu zählen der Cresta Run in St. Moritz oder die olympische Bobbahn). Man fährt auf einem traditionellen Schweizer Holzschlitten (oder einem modernen Kunststoffmodell), bremst mit den Füssen und steuert mit dem Körpergewicht. Unten angekommen, läuft man entweder wieder hinauf oder nimmt für die Rückfahrt zum Start einen Zug, eine Seilbahn oder eine Standseilbahn.
Für Familien gehört Schlitteln oft zu den beliebtesten Winteraktivitäten: Es verbindet leicht zugängliche Spannung mit überschaubarer körperlicher Anstrengung. Für Erwachsene ohne Kinder bieten die längeren und steileren Strecken ein echtes Adrenalinerlebnis. Dieser Guide stellt die Strecken nach Grösse und Spektakel geordnet vor.
| Strecke | Länge | Abstieg | Schwierigkeit | Nachtschlitteln |
|---|---|---|---|---|
| Preda-Bergün | ~6 km | ~400 m | Anfängerfreundlich, breiter Korridor | Ja, mehrere Abende pro Woche |
| Faulhorn-First (Grindelwald) | ~15 km (komplett) / 3–5 km (Nur-First-Variante) | Erheblich, je nach Abschnitt unterschiedlich | Mittel bis fortgeschritten | Nein |
| Grindelwald Dorfabfahrten | ~3 km | Sanft | Anfänger, kleine Kinder | Nein |
| Engelberg (Gerschnialp) | ~4 km | Mässig | Anfänger bis mittel | Ja |
| Rigi (Staffel-Kaltbad) | ~3 km | Sanft | Anfänger | Nein |
| Davos (Wolfgang / Parsenn) | ~4 km / ~13 km | Mässig / lang, sanft | Anfänger bis mittel | Wolfgang: ja |
Für einen breiteren Überblick über die Wintersportmöglichkeiten jenseits des Schlittelns bieten der Guide zu den besten Skigebieten und der Destinationsguide Engadin einen Eindruck der weiteren Winterlandschaft rund um Davos und Graubünden.
Preda-Bergün: die längste beleuchtete Strecke der Schweiz
Die Strecke Preda–Bergün ist die Referenz unter den Schweizer Schlittelstrecken: 6 Kilometer lang, 400 Höhenmeter Abstieg, und sie folgt der Route der Albulabahn (einer UNESCO-Welterbe-Linie) vom Bahnhof Preda talwärts nach Bergün. Sie ist durchgehend für Nachtfahrten beleuchtet, die während der Wintersaison an bestimmten Abenden stattfinden, und der Zug, der dieselbe Route fährt, macht die Rückkehr nach oben einfach.
Die Strecke führt durch die Albulaschlucht, windet sich um Haarnadelkurven und durch Waldabschnitte. Auf den Geraden nimmt das Tempo zu, vor den Kurven muss aktiv gebremst werden. Die Kombination aus Länge, Landschaft und dem fast theatralischen Erlebnis, an beleuchteten Abenden im Fackelschein hinunterzufahren, macht Preda-Bergün zu einem wirklich unverzichtbaren Erlebnis.
Das Nachtschlitteln: An beleuchteten Abenden (in der Regel drei- bis viermal pro Woche während der Saison — den aktuellen Fahrplan beim Tourismusbüro erfragen) ist die Strecke ab der Dämmerung beleuchtet und zugänglich. Die Stimmung ist fast surreal: der weiße Schneekorridor im Licht der Bogenlampen, der dunkle Wald jenseits des Lichtkegels, das Geräusch der Kufen auf dem Schnee. Ein warmes Essen im Restaurant an der Talstation rundet den Abend ab.
Praktisches: Zug der Rhätischen Bahn von Chur nach Preda (die Station vor Bergün an der Albulalinie). Der Zug ist im Swiss Travel Pass enthalten. Schlittenmiete an der Station Preda: Preise auf der offiziellen Website von Bergün Filisur Tourismus. Rückfahrt per Zug von Bergün nach Preda. Die Zugfahrt dauert in jede Richtung etwa 10 Minuten; die Abfahrt mit dem Schlitten dauert je nach Bedingungen und Tempo 45–60 Minuten.
Saison: In der Regel von Ende Dezember bis Mitte März, je nach Schneefall. Aktuelle Bedingungen und Termine der Nachtfahrten auf der Website von Bergün Filisur Tourismus prüfen.
Faulhorn nach Grindelwald First: die alpine Panoramastrecke
Die Strecke vom Faulhorn nach Grindelwald First ist die landschaftlich spektakulärste Schlittelabfahrt der Schweiz. Das Faulhorn (2681 m) ist ein klassischer Gipfel oberhalb von Grindelwald, und die Schlittelstrecke vom Berghotel Faulhorn (im Winter an bestimmten Terminen geöffnet) hinunter zur Seilbahnstation First auf 2168 m ist 15 km lang und damit eine der längsten Schlittelstrecken der Alpen.
Der erste Abschnitt vom Faulhorngipfel über den Grat erfordert Wandern oder Schneeschuhlaufen (die Seilbahn fährt nach First, nicht zum Gipfel). Vom Faulhorn aus führt die Abfahrt durch das Becken des Bachalpsees, am zugefrorenen See vorbei (sofern die Bedingungen es erlauben) und hinunter nach First. Die Szenerie mit Eiger, Mönch, Jungfrau, Wetterhorn und Schreckhorn als ständiger Kulisse ist außerordentlich.
Eine kürzere und leichter zugängliche Variante beginnt in First (2168 m) und führt abwärts, ohne den Gipfelaufstieg. Dieser Abschnitt ist je nach Bedingungen in der Regel 3–5 km lang.
Praktisches: Seilbahn von Grindelwald nach First. Buchen Sie Ihr Ticket für die Grindelwald-First-Seilbahn rechtzeitig im Voraus, besonders in der Hochsaison. Schlittenmiete an der Station First (CHF 10–15 pro Tag). Helme sind ebenfalls mietbar und für die steileren Abschnitte dringend empfohlen.
Schwierigkeit: Die Abfahrt von First nach Grindelwald hat steilere Abschnitte und engere Kurven als Preda-Bergün. Empfohlen sind Schlittelerfahrung oder zumindest ein selbstsicherer Umgang mit Tempo und Bremsen. Für kleine Kinder ohne direkte Aufsicht eines Erwachsenen nicht geeignet.
Grindelwald: präparierte Dorfstrecken
Grindelwald unterhält mehrere kürzere präparierte Schlittelstrecken im Dorf und direkt oberhalb davon, die für Anfänger und kleine Kinder geeignet sind. Am beliebtesten ist die Strecke oberhalb des Dorfes, die in der Nähe der Bahn zur Kleinen Scheidegg beginnt: rund 3 km mit gut abgestuften Kurven und einem für Familien angenehmen Tempo.
Diese Strecken auf Dorfebene sind zu Fuss oder mit der Wengernalpbahn erreichbar, und Schlitten lassen sich im Dorf an mehreren Stellen mieten. Die Kombination aus guter Erreichbarkeit und alpiner Kulisse — der Eiger ist während der ganzen Abfahrt zu sehen — macht diese Strecken ideal für das erste Mal Schlitteln.
Engelberg: beleuchtete Nachtstrecken
Engelberg, eine Zugstunde von Luzern entfernt, hat eine eigene 4 km lange Schlittelstrecke von der Gerschnialp (1262 m) hinunter ins Dorf. Die Strecke ist während der Saison an mehreren Abenden pro Woche für das Nachtschlitteln beleuchtet, meist mit Musik und einem Fondue- oder Raclette-Anlass an der Talstation.
Das Nachtschlitteln in Engelberg hat sich bei der Bevölkerung von Zürich und Luzern zu einem beliebten Event entwickelt, und die Abende sind schnell ausgebucht. Das Tourismusbüro Engelberg veröffentlicht den Plan der beleuchteten Abende; für den Fondue-Anlass empfiehlt es sich, im Voraus einen Tisch im Restaurant an der Talstation zu reservieren.
Anreise: Zug von Luzern nach Engelberg (45 Minuten). Der Swiss Travel Pass deckt den Transport ab. Wer einen Schlittelabend mit einem Tagesausflug auf den Berg oberhalb des Dorfes verbinden möchte, findet im Mount-Titlis-Ticket ab Luzern inklusive Zugfahrt nach Engelberg eine Lösung für den Transport.
Schlittenmiete: Erhältlich an der Liftstation Gerschnialp; die aktuellen Mietpreise erfahren Sie vor Ort.
Rigi: klassische Schweizer Schlittelstrecken
Auf der Rigi, dem Berg über dem Vierwaldstättersee, gibt es Schlittelstrecken, die von den Zahnradbahn-Stationen aus erreichbar sind. Die Strecke von Rigi-Staffel nach Kaltbad (etwa 3 km) ist eine beliebte Route für Fortgeschrittene mit Seeblick auf der ganzen Länge. Die Rigi-Zahnradbahnen sind im Swiss Travel Pass enthalten, was die Rigi zu einem der wirtschaftlicher erreichbaren Schlittelziele macht.
Auf der Rigi gibt es außerdem einen Winterweg, der sowohl für Schneeschuhwanderungen als auch zum Schlitteln genutzt wird, sodass sich beide Aktivitäten leicht zu einem Halbtagesausflug ab Luzern verbinden lassen.
Davos: die Wolfgang-Strecke
Die Wolfgang-Strecke bei Davos ist etwa 4 km lang und führt vom Gebiet Schatzalp hinunter, das mit der Standseilbahn vom Ort aus erreicht wird. Die Standseilbahn ist im Swiss Travel Pass nicht enthalten, wird für Passinhaber aber vergünstigt angeboten. An bestimmten Abenden ist die Strecke für Abendabfahrten beleuchtet.
Davos hat außerdem die berühmte Parsenn-Schlittelstrecke von der Parsennhütte nach Küblis — eine lange, überwiegend sanfte Abfahrt durch alpines Gelände. Mit 13 km ist sie eine der längsten der Schweiz, wenn auch weniger klar definiert und markiert als die eigens angelegten Strecken in Preda-Bergün oder First.
Appenzell: Schlitteln für Familien im Hügelland
Die Region Appenzell bietet mehrere familienfreundliche Schlittelstrecken im Hügelland östlich von St. Gallen. Das Gebiet Schwägalp unterhalb des Säntis hat kurze, per Seilbahn erreichbare Strecken, und am Kronberg bei Appenzell gibt es eine lange, sanfte Strecke, die für kleine Kinder geeignet ist. Das kulturelle Interesse der Region Appenzell — bemalte Häuser, traditionelles Brauchtum, hervorragender Käse — macht sie zu einer attraktiven Option für Familien, die Schlitteln mit anderen Aktivitäten verbinden möchten.
Region Luzern: Diemtigtal und Habkern
Für Besucher mit Standort Luzern bieten mehrere kleinere Schlittelgebiete innerhalb von 90 Autominuten Alternativen zu den grossen Ferienorten. Das Diemtigtal südlich von Spiez und das Plateau von Habkern oberhalb von Interlaken sind bei Familien beliebte Geheimtipps für einen ruhigen Winterausflug ohne den Andrang der grossen Ferienorte. Ohne Auto sind diese Orte schwerer zu erreichen.
Sicherheit auf Schweizer Schlittelstrecken
Bremsen: Der klassische Schweizer Davoser Schlitten (aus Holz) wird mit den Füssen gelenkt und gebremst, die man über den Schnee schleifen lässt. Die Technik sollte man vor dem Start lernen — unkontrolliertes Tempo in Kurven ist die Hauptgefahr. Die Bergstrecken haben Abschnitte mit natürlichen Bremszonen (ansteigende Kurven oder ebene Stücke), doch diese ersetzen das aktive Bremsen nicht.
Helme: Auf allen Bergstrecken dringend empfohlen. Auf vielen offiziellen Strecken für Kinder unter 12 Jahren Pflicht. An den meisten Talstationen zusammen mit den Schlitten mietbar.
Überholen: Auf Schweizer Schlittelstrecken gibt es eine ungeschriebene, aber beachtete Etikette — langsamere Schlitten halten sich am Rand, schnellere überholen in der Mitte. Wer mit Tempo von hinten kommt, ruft vorher laut, um die Vorausfahrenden zu warnen.
Passendes Schuhwerk: Wasserdichte Stiefel mit Knöchelhalt. Jeans und Turnschuhe sind ungeeignet — nasse und kalte Bedingungen sind bei jeder längeren Abfahrt garantiert.
Nachtfahrten: Besondere Vorsicht ist geboten, da die Streckenränder schlechter sichtbar sind. Im beleuchteten Korridor bleiben, beim Einfahren in schattige Abschnitte das Tempo reduzieren und beide Hände am Schlitten lassen.
Den Schlitteltag planen
Aktivitäten kombinieren: Schlitteln passt gut zu winterlichem Essen — mehrere der beschriebenen Strecken enden in der Nähe von Bergrestaurants oder hüttenähnlichen Lokalen. Die Guides zum Winterwandern und Schneeschuhwandern behandeln ergänzende Aktivitäten für denselben Tag.
Familien: Die Strecke Preda–Bergün eignet sich hervorragend für Familien mit Kindern ab 8 Jahren. Die Dorfstrecken in Grindelwald sind für jüngere Kinder geeignet. Der Guide zu Familienaktivitäten und der Guide zu familienfreundlichen Skigebieten behandeln den weiteren Rahmen für Winterreisen mit Kindern.
Fortbewegung: Der Swiss Travel Pass deckt die Bahnanreise zu allen hier beschriebenen grossen Schlittelzielen ab. Für Inhaber des Swiss Travel Pass ist Preda-Bergün besonders gut geeignet, da der Zug fester Bestandteil des Erlebnisses ist (mit dem Schlitten hinunter, mit dem Zug wieder hinauf).
Der Guide zu Winter-Reiserouten enthält Schlitteln als Teil mehrtägiger Programme sowohl im Berner Oberland als auch in Graubünden.
Die Schweizer Schlitteltradition: Geschichte und Kultur
Das Schweizer Schlitteln hat Wurzeln, die älter sind als die moderne Skiindustrie. Bevor das Skifahren Ende des 19. Jahrhunderts zur dominierenden Wintersportart in den Bergen wurde, nutzten die Berggemeinden in Graubünden und im Berner Oberland Holzschlitten — zunächst praktisch, um Heu, Waren und Brennholz steile Hänge hinunter zu transportieren —, die sich mit der Entwicklung des Tourismus zum Freizeitgerät entwickelten.
Der Davoser Schlitten, der klassische Schweizer Schlitten, der in Preda-Bergün und auf anderen traditionellen Strecken noch immer verwendet wird, wurde in den 1880er Jahren in Davos entwickelt. Englische Besucher in Davos (der Ort war Ende des 19. Jahrhunderts bei britischen Tuberkulosepatienten beliebt, die die Bergluftkur suchten) machten das Schlitteln als Wettkampfsport populär, und die ersten offiziellen Schlittelrennen fanden auf der Straße zwischen Davos und Küblis statt. Der Sport verbreitete sich schnell in den Alpen, und der Cresta Run in St. Moritz — ein eigens für den Schlittensport angelegter Eiskanal — wurde 1884 eröffnet.
Die in diesem Guide beschriebenen natürlichen Bergstrecken stehen in direkter Linie zu diesen frühen Traditionen. Die Strecke Preda–Bergün folgt der Straße, die schon vor der Fertigstellung der Albulabahn bestand, und wird seit der Eröffnung der Bahn im Jahr 1903 zum Freizeitschlitteln genutzt.
Schlittentypen und ihre Eigenschaften
Davoser Schlitten: Der traditionelle Schweizer Holzschlitten. Zwei Stahlkufen auf einem Holzrahmen, vorn ein einfaches Seil zur Richtungssteuerung (in erster Linie psychologische Beruhigung — tatsächlich gelenkt wird mit Fussdruck und Körpergewicht). Die Kufen lassen sich in der Breite an Schlittengrösse und Gewicht des Fahrers anpassen. An den meisten Schweizer Strecken für CHF 10–15 pro Tag mietbar.
Moderne Kunststoffschlitten: Weit verbreitet und leichter als Holzschlitten. Besser für kürzere Strecken und gelegentliche Nutzung; der Davoser Schlitten bietet auf längeren Bergstrecken das authentischere Erlebnis.
Airboard: Ein aufblasbarer Schlitten, auf dem man bäuchlings fährt — ein ganz anderes und extremeres Erlebnis als das Sitzen auf dem Schlitten. Einige Schweizer Ferienorte bieten spezielle Airboard-Events und -Kurse an.
Bob: Etwas völlig anderes als Schlitteln — ein konstruierter, geschlossener Schlitten auf einer eigens gebauten Eisbahn. Die olympische Bobbahn in St. Moritz bietet Erlebnisfahrten für die Öffentlichkeit an, ist aber grundsätzlich etwas anderes als das Schlitteln im Naturgelände.
Nach dem Schlitteln: Aufwärmen in der Schweiz
Die Kultur nach dem Schlitteln konzentriert sich in der Schweiz auf Bergrestaurants und Beizen (traditionelle Wirtschaften) im Tal. Einige Traditionen lohnen sich zu kennen:
Glühwein und heiße Schokolade: Die klassischen Getränke nach dem Schlitteln. Bergrestaurants an den Talstationen der Strecken bieten in der Regel beides an. Schweizer Glühwein wird mit lokalem Rotwein (oft aus dem Wallis oder aus Graubünden) mit Orange, Zimt und Nelken zubereitet. Die Qualität ist im Allgemeinen hoch.
Fondue: Mehrere Strecken bieten Après-Anlässe rund ums Fondue, besonders an den Abenden mit Nachtfahrten. Das Restaurant an der Talstation der Strecke Preda–Bergün serviert an den Abenden mit Nachtabfahrten Fondue und Raclette.
Thermalbäder: Leukerbad (oberhalb von Sion im Wallis) verbindet den Zugang zum Eisklettern im Gebiet Gemmi mit einem der schönsten Thermalbäder der Schweiz. Nach einem kalten Nachmittag auf der Schlittelstrecke in 36 Grad warmem Mineralwasser zu baden, ist eine besonders befriedigende Kombination.
Schlitteln mit Kindern: was man erwarten kann
Die meisten Schweizer Schlittelstrecken sind für Kinder ab 6 Jahren auf einfacheren Strecken geeignet, für die grossen Bergstrecken wie Preda-Bergün und Faulhorn-First ab 8 Jahren. Die wichtigsten Punkte:
Tempokontrolle: Kinder müssen Anweisungen zum Fussbremsen verstehen und umsetzen können, bevor sie sich an Bergstrecken wagen. Eine kurze Übung auf ebenem Gelände vor der Abfahrt lohnt sich.
Gewicht: Schwerere Personen und gemeinsam genutzte Schlitten sind schneller als leichte Kinder auf Einzelschlitten. Bei jüngeren Kindern empfiehlt es sich, sich einen Schlitten zu teilen, um das Tempo besser zu kontrollieren.
Kälte: Kinder ermüden bei Kälte schneller als Erwachsene. Nach jeder Abfahrt eine Aufwärmpause einplanen, besonders bei Abendfahrten. Handwärmer in den Taschen sind eine willkommene Ergänzung zur Kälteausrüstung eines Kindes.
Begeisterung steuern: Kinder, die das Schlitteln lieben, wollen meist mehrere Abfahrten ohne Pause. Nach jeweils zwei Abfahrten eine Pause für heiße Schokolade einzubauen, ist ein praktischer Weg, Energie und Körpertemperatur im Griff zu behalten.
Der Guide zu Familienaktivitäten deckt die ganze Bandbreite an Winteraktivitäten für Familienreisen in der Schweiz ab. Der Guide zu familienfreundlichen Skigebieten behandelt Ferienorte, deren Winterangebot Schlittelstrecken integriert — mehrere familienorientierte Orte, darunter Saas-Fee und Adelboden, haben neben den Skianlagen eine gute Schlittelinfrastruktur.
Streckenbedingungen: was sie beeinflusst
Natürliche Schlittelstrecken sind deutlich wetterabhängiger als Skipisten. Mehrere Faktoren beeinflussen die Qualität der Strecke:
Temperatur: Optimale Bedingungen herrschen bei −5 bis −15 Grad Celsius, wenn die Schneeoberfläche kompakt und schnell, aber nicht vereist ist. Temperaturen über 0 Grad machen die Schneeoberfläche weich und verlangsamen die Fahrt deutlich. Sehr tiefe Temperaturen (−20 und darunter) machen den Schnee pulvrig und langsam und bergen Risiken durch Auskühlung.
Neuschnee: 5–10 cm Neuschnee auf einer präparierten Unterlage sorgen für ideale Bedingungen. Schwerer Neuschnee (über 20 cm) muss erst von den Fahrern verdichtet werden, bevor sich das optimale Tempo einstellt. Eine sehr dünne Schneedecke legt das raue Gelände darunter frei.
Tageszeit: Am Morgen sind die Bedingungen auf einer Nordhang-Strecke in der Regel schneller und härter als am Nachmittag, nachdem die Sonne auf den Hang gewirkt hat. Auf Südhang-Strecken (bei Schlittelstrecken ungewöhnlich, kommt aber an einigen Orten vor) kann die Aufweichung am Nachmittag die Strecke unangenehm langsam machen.
Künstliche Präparierung: Grosse Strecken wie Preda-Bergün werden nach starkem Schneefall maschinell präpariert, mit ähnlichen Geräten wie bei Skipisten. Das sorgt unabhängig vom Zeitpunkt des Schneefalls für gleichmässige Bedingungen.
Eis: Eine vereiste Oberfläche nach einem Temperaturwechsel über und unter null Grad kann eine Strecke sehr schnell und in Kurven potenziell gefährlich machen. Die Streckenbetreiber bringen in der Regel frischen Schnee auf, um das Eis zu mindern, oder sperren die Strecke, wenn die Bedingungen nicht sicher sind.
Vor der Anreise zu einer bestimmten Strecke die aktuellen Bedingungen auf der Website des Tourismusbüros prüfen oder bei der Streckenbetreibung anrufen. Die meisten grossen Strecken veröffentlichen täglich Zustandsberichte.
Schlittenmiete und wo man sie findet
Schweizer Schlitten können gemietet werden:
- An Bahnhöfen: Der Mietbetrieb der Strecke Preda–Bergün befindet sich am Bahnhof Preda. Am Bahnhof Bergün gibt es manchmal zusätzliche Miete.
- An Talstationen von Seilbahnen: First Grindelwald, Talstation des Lifts Engelberg Gerschnialp, Zahnradbahn-Stationen der Rigi.
- In Sportgeschäften der Ferienorte: Intersport, Ochsner Sport und lokale unabhängige Geschäfte in Grindelwald, Davos, Kandersteg und Engelberg führen alle Mietschlitten.
- In den Tourismusbüros der Ferienorte: Dort erhält man Auskunft zur nächsten Mietstelle.
Kosten: CHF 10–20 pro Schlitten und Einsatz. Üblich ist bei kurzen Strecken ein Preis pro Abfahrt und bei längeren Strecken wie Preda-Bergün ein Tagestarif. Helme gibt es an denselben Stellen.
Nachtschlitteln: das komplette Erlebnis
Das Nachtschlitteln auf den beleuchteten Strecken in Preda-Bergün, Engelberg und auf der Rigi gehört zu den charakteristischsten Winterabendaktivitäten der Schweiz. Das Erlebnis verdient mehr als nur eine kurze Erwähnung:
Ankunft: Die Abendfahrten beginnen in der Regel in der Dämmerung (17:30–18:00 Uhr im Januar und Februar) und dauern bis 22:00 oder 23:00 Uhr. 30–45 Minuten vor der Abfahrtszeit an der Lift- oder Talstation eintreffen, um Ausrüstung zu mieten und sich einweisen zu lassen.
Die Abfahrt: Der beleuchtete Korridor der Strecke erzeugt einen Tunneleffekt — der dunkle Wald zu beiden Seiten, der erleuchtete Schnee voraus, das Geräusch der Kufen. Im Kunstlicht lässt sich das Tempo schwerer einschätzen als bei Tageslicht; bei der ersten Nachtfahrt ist es sinnvoll, beim Tempo eher vorsichtig zu sein.
Das gesellige Element: Nachtfahrten an den grossen Orten ziehen Gruppen an — Firmenanlässe, Geburtstagsfeiern, Schweizer Freunde, die die Fahrt mit einer Restaurantreservierung verbinden. Die Stimmung ist lebhaft und gesellig statt besinnlich.
Fondue oder Raclette: Die meisten Orte für Nachtfahrten haben entweder ein Restaurant vor Ort oder arbeiten mit einer nahegelegenen Berghütte zusammen. Die Kombination in Preda-Bergün, einige Nachtabfahrten und danach das Abendessen im Bergrestaurant im Dorf, ist die ideale Struktur für einen Abend.
Heimreise: Vor einem späten Abend den letzten Zug oder PostAuto ab der Talstation der Strecke prüfen. Der letzte Zug ab Bergün ist auf das Ende des abendlichen Fahrprogramms abgestimmt — den Fahrplan für das konkrete Datum bestätigen.
Jenseits der klassischen Strecken: Appenzell, Davos und die Kombination mit Langlauf
Besucher, die sich in der Ostschweiz niederlassen, können das Schlitteln in Appenzell mit einem breiteren Winterprogramm kombinieren — die Region verfügt zudem über gute Langlaufloipen im Talboden, sodass Nicht-Schlittler in der Gruppe eine ergänzende Aktivität wählen können. Rund um Davos belohnt die Parsenn-Strecke diejenigen, die eine lange, gemütliche Abfahrt der steilen Dramatik von Preda-Bergün oder First vorziehen.


