Schneeschuhwandern in der Schweiz: Routen, Tipps und geführte Touren
Wo ist das beste Schneeschuhwandern in der Schweiz?
Das Engadin in Graubünden bietet die besten Schneeschuhbedingungen mit zuverlässigem Schnee, präparierten Routen und eindrucksvoller Hochalpenlandschaft. Das Berner Oberland um Grindelwald und Adelboden sowie der Jura bei La Chaux-de-Fonds sind ausgezeichnete Alternativen.
Schneeschuhwandern: warum die Schweiz dafür ideal ist
Schneeschuhwandern gehört zu den am schnellsten wachsenden Winteraktivitäten der Schweiz — und das aus gutem Grund. Anders als Skifahren oder Snowboarden braucht es keine Vorkenntnisse, keine nennenswerte Ausrüstungsinvestition und keine einschüchternden Sesselliftfahrten in steiles Gelände. Ein Anfänger kann schon wenige Minuten nach dem ersten Anschnallen der Schneeschuhe sicher durch einen Winterwald laufen.
Die Kombination aus zuverlässigen Schneefällen in der Höhe, einem aussergewöhnlichen Netz markierter und gepflegter Winterwege und der einfachen Anreise mit dem öffentlichen Verkehr in die Hochgebirgsregionen macht die Schweiz zu einem der besten Länder der Welt für diese Aktivität. Die Wege sind wie die Sommerwanderwege beschildert, mit blauen Schildern für Winterwanderrouten. Viele werden von den Gemeinden oder Tourismusorganisationen präpariert (platt gewalzt). Geführte Touren gibt es in fast jedem Schweizer Ferienort, meist geleitet von zertifizierten Bergführern, die Ausrüstung und Ortskenntnis mitbringen.
Dieser Leitfaden behandelt die besten Schneeschuhgebiete, Routenempfehlungen, die nötige Ausrüstung und die Suche nach geführten Touren in jeder Region.
| Auf einen Blick | |
|---|---|
| Wo | Engadin (Graubünden), Berner Oberland, Jura, Rigi/Pilatus bei Luzern |
| Kosten | Preise je nach Anbieter; beim örtlichen Tourismusbüro oder Bergführerbüro erfragen |
| Benötigte Zeit | Ein halber Tag für die erste Route; ein geführter Ganztag mit Mittagessen für einen tieferen Ausflug |
| Anreise | Zug/PostBus zum Ferienort, dann Seilbahn oder Standseilbahn zum Ausgangspunkt (der Swiss Travel Pass deckt die meisten Zug- und Busstrecken) |
| Beste Zeit | Januar-Februar für den zuverlässigsten Schnee; Dezember und März für ruhigere Wege |
Das Engadin, Graubünden
Das Oberengadin — das Hochtal rund um St. Moritz, Pontresina, Sils Maria und Silvaplana — ist das beste Schneeschuhgebiet der Schweiz. Die breite Talsohle auf rund 1800 m liegt im Winter oft über der Nebeldecke: Während die tieferen Täler im Nebel stecken, herrscht hier blauer Himmel. Das umgebende Gebirge ist eindrucksvoll und doch gut zugänglich, mit markierten Schneeschuhrouten von sanften Runden auf der Talsohle bis zu anspruchsvollen Aufstiegen zu Aussichtsgraten.
Die schönsten Routen im Engadin:
Sils nach Isola (leicht, 8 km, 2,5 Stunden): Der zugefrorene Silvaplanersee und der Silsersee bieten einen flachen Zugang zum Weiler Isola am südlichen Ende des Silsersees. Die Route folgt dem Seeufer durch verschneite Birkenwälder, mit dem Malojapass am Talende im Blick. Zurück auf demselben Weg oder mit dem PostBus.
Muottas Muragl nach Pontresina (mittelschwer, 10 km, 3,5 Stunden): Mit der Standseilbahn von Samedan hinauf nach Muottas Muragl (2456 m), dann mit Schneeschuhen durch das Val Roseg hinunter nach Pontresina. Die Aussicht von Muottas Muragl über das Engadin zum Berninamassiv gehört zu den schönsten der Schweiz. Der Abstieg ist gleichmässig, und der Waldabschnitt durch das Val Roseg ist besonders schön.
Diavolezza-Gletscherroute (anspruchsvoll, ganztägig): Anreise mit der Diavolezza-Seilbahn ab Pontresina. Nur geführte Touren — das Gelände umfasst Gletscherpassagen und erfordert die Leitung eines Bergführers. Der Blick auf das Berninamassiv aus nächster Nähe ist außerordentlich.
Geführte Schneeschuhtouren in Pontresina: Pontresina ist der wichtigste Ausgangsort für geführtes Schneeschuhwandern im Engadin. Das Bergführerbüro Pontresina bietet täglich Touren von zwei bis fünf Stunden an. Die Bergführer stellen Schneeschuhe, Stöcke und Sicherheitsausrüstung. Die Gruppen umfassen in der Regel acht bis zwölf Personen. Die aktuellen Preise finden Sie auf der offiziellen Website von Pontresina Tourismus.
Berner Oberland
Das Berner Oberland bietet Schneeschuhwandern in einigen der eindrucksvollsten Berglandschaften der Schweiz, mit Eiger, Mönch und Jungfrau als Kulisse, von der Fotografen träumen. An einem Tag ohne Schneeschuhe bringt dich ein selbstgeführter Ausflug von Interlaken zum Jungfraujoch per Bahn in die hochalpine Schneewelt.
Gebiet Grindelwald First (leicht bis mittelschwer): Das Plateau von First oberhalb von Grindelwald erreichst du mit der Gondelbahn. Von der Station First auf 2168 m führen präparierte Schneeschuhrouten durch die Mulde des Bachalpsees (der See ist meist von Dezember bis März zugefroren) und über die Grate in Richtung Schwarzhorn. Das Panorama von Wetterhorn, Schreckhorn und Finsteraarhorn vom Bachalpsee aus gehört zu den schönsten der Alpen.
Region Adelboden (mittelschwer): Die weiten Täler rund um Adelboden haben ein Netz markierter Winterwander- und Schneeschuhrouten. Die Engstligenalp (per Seilbahn erreichbar) ist eine weite, hochgelegene Ebene mit signalisierten Wegen, die an der Bergstation der Seilbahn beginnen.
Kandersteg (mittelschwer bis anspruchsvoll): Das Gebiet des Oeschinensees oberhalb von Kandersteg ist eine der spektakulärsten Winterlandschaften der Schweiz — der zugefrorene See unter den steilen Nordwänden des Blümlisalpmassivs. Der Weg von der Seilbahnstation zum See (etwa 45 Minuten pro Richtung) ist gepflegt und bei guten Bedingungen relativ einfach; Schneeschuhe sind hilfreich, aber nicht zwingend. Dieses Gebiet ist zugleich das wichtigste Zentrum für Eisklettern in der Schweiz.
Jura
Der Jura entlang der nördlichen und westlichen Landesgrenze bietet ein anderes Schneeschuherlebnis: sanfte, bewaldete Hügel statt dramatischer Alpengipfel, in guten Jahren mit viel Schnee und einer ruhigen, intimen Atmosphäre, die sich deutlich von den belebten Ferienorten unterscheidet.
Region La Chaux-de-Fonds: Das Plateau rund um La Chaux-de-Fonds und Le Locle erhält viel Schnee und hat einen wachsenden Ruf für Schneeschuhwandern. Wege durch Buchen- und Tannenwälder führen zu Aussichtspunkten über das Mittelland. Weil es keine Skiort-Infrastruktur gibt, sind die Wege ruhiger als in den Alpen.
Vallée de Joux: Das Tal, in dem auch Uhrmacherateliers zu Hause sind (siehe den Leitfaden zur Schweizer Uhrmacherei), hat ausgedehnte Waldschneeschuhrouten, die von den Dörfern Le Sentier und Le Brassus aus erreichbar sind. Der zugefrorene Lac de Joux ist in kalten Wintern manchmal zu Fuss begehbar.
Franches-Montagnes (Freiberge): Die Pferdezuchtregion im Kanton Jura zwischen Saignelégier und Tramelan bietet sanfte Schneeschuhrouten über offene Weiden, auf denen die berühmte Freiberger Pferderasse ganzjährig lebt. Die Verbindung aus Landschaft und der Möglichkeit, im Schnee auf Pferdeherden zu treffen, ist wirklich ungewöhnlich.
Rigi und Pilatus: Schneeschuhwandern ab Luzern
Für Besucher mit Standort in Luzern bieten die Berge Rigi und Pilatus einen einfachen Zugang zum Schneeschuhwandern ohne lange Anreise in die Alpen.
Rigi: Das Rigi-Plateau (1797 m) hat markierte Schneeschuhrouten unterschiedlicher Schwierigkeit, die von den Bahnstationen Rigi Kulm oder Rigi Staffel aus erreichbar sind. Die Aussicht von der Rigi über die Zentralschweizer Seen und bei gutem Wetter bis zu den Alpen ist hervorragend. Die Zahnradbahn ab Vitznau oder Arth-Goldau ist im Swiss Travel Pass enthalten.
Pilatus: Der Pilatus Kulm (2132 m) ist im Winter für die Zahnradbahn gesperrt, aber per Seilbahn ab Kriens (Luzern) erreichbar. Schneeschuhrouten ab der Gipfelstation führen über Grate mit dramatischer Aussicht. Die Zubringerseilbahn ist im Swiss Travel Pass nicht enthalten.
Ausrüstung: was du zum Schneeschuhwandern brauchst
Schneeschuhe: Moderne Schneeschuhe haben leichte Aluminiumrahmen mit Steigeisen und Bindungssystemen. Sie sind in Grössen erhältlich, die auf das Körpergewicht des Nutzers abgestimmt sind. Für Tageswanderungen auf gepflegten Wegen reichen Einsteigermodelle von Marken wie MSR, Salomon oder Tubbs völlig aus. Für steiles Gelände oder Touren abseits der Wege braucht es grössere Rahmen mit griffigeren Steigeisen.
Miete: Jeder Schweizer Skiort vermietet Schneeschuhe. Sportgeschäfte in Pontresina, Grindelwald, Adelboden und Kandersteg führen alle Mietausrüstung. Bei geführten Touren ist die Ausrüstung im Preis inbegriffen.
Stöcke: Teleskopierbare Wanderstöcke mit Schneetellern verbessern das Gleichgewicht auf unebenem Schnee deutlich und verringern die Ermüdung. Unverzichtbar in steilem Gelände, in jedem Gelände hilfreich.
Schuhwerk: Wasserdichte Schuhe mit Knöchelhalt sind nötig. Wanderschuhe genügen für präparierte Wege; für längere Touren oder Gelände abseits der Wege sind richtige Bergschuhe besser. Gamaschen, die den Schnee vom Schuhschaft fernhalten, sind bei tieferem Schnee empfehlenswert.
Kleidungsschichten: Das Schweizer Winter-Schichtprinzip: feuchtigkeitsableitende Basisschicht, wärmende Mittelschicht und wasserdichte Außenschicht. Schneeschuhwandern erzeugt bergauf viel Körperwärme; wer für das Stillstehen angezogen ist, überhitzt. Handschuhe, Mütze und eine zusätzliche Schicht gehören in einen kleinen Rucksack.
Sonnenschutz: Die vom Schnee reflektierte Wintersonne in der Höhe verursacht schwere Sonnenbrände. Trage LSF 30+ auf Gesicht, Hals und alle unbedeckten Hautstellen auf und erneuere es alle zwei Stunden. Ohne UV-Schutzbrille ist Schneeblindheit in der Höhe ein reales Risiko.
Geführte Schneeschuhtouren: was dich erwartet
Geführte Touren sind die beste Wahl für Schneeschuh-Neulinge und für alle, die sich in nicht präpariertes Gelände wagen. Zertifizierte Schweizer Bergführer sind auf hohem Niveau ausgebildet und führen für alle wahrscheinlichen Situationen Sicherheitsausrüstung mit.
Eine typische geführte Halbtagestour dauert drei bis vier Stunden, deckt fünf bis acht Kilometer mit 300-500 Höhenmetern ab und umfasst Schneeschuhe, Stöcke und eine Sicherheitseinweisung. Ganztagestouren beinhalten oft ein Mittagessen in einem Bergrestaurant. Abendliche Schneeschuhtouren mit Fondue-Essen in einer Alphütte werden von vielen Ferienorten angeboten — eine besonders stimmungsvolle Kombination.
Buchung: Wende dich an das örtliche Bergführerbüro im Ferienort, in dem du übernachtest. Die meisten Tourismusbüros können Kontakte und Verfügbarkeit vermitteln. Die Preise hängen von Gruppengrösse und Gelände ab; die aktuellen Tarife erfahren Sie beim Bergführerbüro.
Schneeschuhwandern mit dem Swiss Travel Pass
Der Swiss Travel Pass deckt Zug- und PostBus-Fahrten zu allen in diesem Leitfaden beschriebenen Gebieten ab. Im Engadin ist die Standseilbahn nach Muottas Muragl nicht enthalten (für Passinhaber aber ermässigt). Im Berner Oberland ist die Seilbahn nach Grindelwald First mit dem Pass ermässigt.
Der Pass ist besonders wertvoll für Schneeschuhtouren, bei denen du an einem Punkt startest und an einem anderen zurückfährst — die Freiheit, am Ende einer Streckenroute in einen Zug oder Bus zu steigen, macht die Planung von Rundrouten überflüssig. Du kannst den Swiss Travel Pass vor der Reise online kaufen.
Für die Planung deiner Winterreise lässt sich Schneeschuhwandern gut mit anderen Aktivitäten verbinden: ein Vormittag auf Schneeschuhen und ein Nachmittag auf der Eisbahn, oder ein Schneeschuh-Vormittag und danach ein Nachmittag Langlauf auf der Talsohle. Der Winterwander-Leitfaden behandelt präparierte Winterwanderwege auf geräumten Pfaden, die keine Spezialausrüstung erfordern und Schneeschuhtouren gut ergänzen können.
Schneeschuhwandern und Lawinensicherheit
Eine der wichtigsten Überlegungen für Schneeschuhwandern abseits des präparierten Wegnetzes — in unverspurtem Gelände, an Hängen oder in nicht regelmässig gepflegten Gebieten — ist das Lawinenbewusstsein. Die Schweiz hat eine der fortschrittlichsten Lawinenwarnungen der Welt, die täglich vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) auf slf.ch veröffentlicht wird.
Die Lawinengefahrenskala reicht von 1 (gering) bis 5 (sehr gross). Bei Schneeschuhwandern ohne Führung in Gelände mit einer Hangneigung von mehr als etwa 30 Grad erfordern Gefahrenstufen ab 3 ernsthafte Vorsicht. Auf präparierten Schneeschuhrouten, die von Tourismusorganisationen gepflegt werden, wird das Lawinenrisiko von den Betreibern der Wege gesteuert. Das Beachten von Wegsperrungen ist unerlässlich.
Für selbstständige Touren in Gelände mit Hangexposition wird dringend empfohlen, eine Lawinenausrüstung — Verschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel — mitzuführen und mit einem Begleiter unterwegs zu sein, der damit umgehen kann. Bei geführten Touren übernimmt der Bergführer diese Verantwortung vollständig.
Schneeschuhwandern als gemeinsames Erlebnis
Abendliche Schneeschuhtouren mit Fondue-Essen in einer Alphütte sind als Gruppenaktivität besonders beliebt — für Firmenevents, Geburtstagsausflüge und Familientreffen. Mehrere Anbieter im Engadin veranstalten wöchentliche Abendtouren, die in traditionellen Berghütten enden. Die Kombination aus Bewegung, Winterlandschaft und einer warmen Mahlzeit in der Hütte sorgt zuverlässig für unvergessliche Abende.
Schweizer Bergführer passen die Inhalte der Tour den Interessen der Gruppe an. Wer vorab erwähnt, dass Fotografen, Botaniker oder Geologie-Fans in der Gruppe sind, erhält in der Regel ein besser zugeschnittenes Erlebnis.
Die beste Zeit zum Schneeschuhwandern in der Schweiz
Dezember bis Mitte März ist die Kernsaison fürs Schneeschuhwandern. Januar und Februar bieten in der Regel die besten Bedingungen: zuverlässig kalte Temperaturen, beständige Schneefälle und voll in Betrieb stehende präparierte Wegnetze. Im März wird es wärmer, und der Schnee kann am Nachmittag schwer und nass werden — in der Spätsaison sind Vormittagstouren besser.
Die grosse Höhe des Engadins (1700-1800 m) verschafft ihm eine längere Saison als tieferen Gebieten; oft bleiben die Schneeschuhbedingungen von Ende November bis Anfang April gut. Die tiefere Lage des Juras (800-1400 m) hängt stärker vom Schneefall des jeweiligen Jahres ab, und in warmen Wintern kann der Schnee lückenhaft sein.
| Monat | Typische Bedingungen | Andrang |
|---|---|---|
| Dezember | Saisoneröffnung; Schneetiefe baut sich auf, kann in tieferen Lagen lückenhaft sein | Mässig, geschäftiger rund um Weihnachten/Neujahr |
| Januar | Kalt, zuverlässiger Schnee, teils bestes Licht des Jahres | Geringer außerhalb der Schulferien |
| Februar | Beste Bedingungen in den meisten Regionen, präparierte Wege in vollem Betrieb | Hoch (europäische Skiferien) |
| März | Guter Schnee in der Höhe; kann in tieferen Lagen am Nachmittag schwer und nass werden | Mässig, gegen Monatsende abnehmend |
| Anfang April | Engadin und Wege in grosser Höhe oft noch gut; tiefer gelegene Jura-Wege schließen meist | Gering |
Prüfe vor der Reise die aktuellen Wegverhältnisse beim örtlichen Tourismusbüro oder auf der Website des Ferienorts. Das SLF-Lawinenbulletin (slf.ch) meldet auch Schneehöhe und Schneedeckenstabilität — nützliche Indikatoren für die allgemeinen Winterverhältnisse in der Schweiz.
Für Familien, die im Winter in die Schweiz reisen, behandeln der Leitfaden zu Familienaktivitäten und der Schlittel-Leitfaden ergänzende Aktivitäten für alle Altersgruppen. Der Langlauf-Leitfaden stellt die nordische Variante im flachen Gelände vor, für alle, die ein gleichmässigeres Training suchen.
Schneeschuhwandern in verschiedenen Landschaftstypen
Die Vielfalt der Schweiz bedeutet, dass sich Schneeschuhwandern je nach Region anders anfühlt. Wer diese Unterschiede kennt, wählt leichter die Umgebung, die ihm am meisten zusagt:
Hochalpines Schneeschuhwandern (Engadin, Pontresina, Bernina): Offenes Gelände oberhalb der Baumgrenze, weite Panoramen, kalte, trockene Luft, zuverlässig festgepackter Schnee. Das Erlebnis wird von der Grösse der Berglandschaft geprägt — die vergletscherten Gipfel des Berninamassivs sind auf allen Engadiner Touren zu sehen. Das ist die dramatischste und fotografisch lohnendste Form des Schneeschuhwanderns.
Schneeschuhwandern im Wald (Davoser Täler, Jura, untere Hänge des Berner Oberlands): Durch verschneiten Wald zu gehen, in dem alle Geräusche gedämpft sind, ist ein völlig anderes Sinneserlebnis. Das Geräusch der Schneeschuhe auf festem Schnee durch Lärchen- oder Tannenwald, die blauen Schatten zwischen den Stämmen und die gelegentliche Begegnung mit Gämsen oder Vögeln schaffen eine intime, fast meditative Stimmung. Gerade das Schneeschuhwandern in den Jurawäldern hat diesen Charakter.
Schneeschuhwandern auf der Talsohle (Goms, Engadiner Seen, Lauterbrunnen): Das flache Gelände der Talsohle lässt den Rhythmus des Schneeschuhgehens entstehen, ohne die körperliche Anstrengung eines Aufstiegs. Diese Routen eignen sich für Anfänger, Familien und alle, die das Erlebnis ohne den körperlichen Einsatz einer Bergtour wollen. Das Goms im Wallis mit seinem geraden, 80 km langen Korridor für Langlauf und Schneeschuhwandern ist das Paradebeispiel dafür.
Routen von Dorf zu Dorf: Viele Schweizer Ferienorte haben Schneeschuhrouten, die Dörfer über Weiden und Wälder verbinden. Diese Routen haben den Vorteil, dass sie an verschiedenen Restaurants und Gasthäusern enden, sodass sich mit Unterkünften in den Dörfern eine mehrtägige Streckentour auf Schneeschuhen planen lässt. Der Dorfrundweg im Engadin und das Goms eignen sich beide für diese Form.
Fotografieren beim Schneeschuhwandern
Alpines Schneeschuhwandern im Winter bietet einige der eindrucksvollsten Fotobedingungen der Schweiz:
- Blaue Stunde vor Sonnenaufgang: Vor der Morgendämmerung aufzubrechen und an einem Aussichtspunkt anzukommen, wenn der Himmel von tiefem Blau in das erste Rosa des Alpenglühens auf den Gipfeln übergeht, ergibt ein klassisches winterliches Bergfoto.
- Nebelmeere: Liegt der Talnebel unterhalb der Höhe, auf der du unterwegs bist, entstehen durch den Kontrast zwischen weißem Wolkenmeer und klarem Bergen-Himmel darüber ausgesprochen klare Bilder.
- Tierspuren: Frischer Schnee macht Aktivitäten von Wildtieren sichtbar, die in anderen Jahreszeiten unsichtbar bleiben. Spuren von Gämsen, Füchsen, Hasen und Vögeln im Schnee sind fotogen und erzählen ökologische Geschichten.
- Einzelner Baum oder einzelnes Bauwerk im Schnee: Eine einzelne verschneite Föhre, ein verwittertes Alpenkreuz oder ein traditioneller Holzstadel, halb im Pulverschnee versunken, sind typisch schweizerische Wintermotive.
Eine spiegellose Kamera in einer gepolsterten Innentasche des Rucksacks (damit der Akku warm bleibt) und ein 24-70-mm-Zoomobjektiv decken die meisten Fotomöglichkeiten beim Schneeschuhwandern ab. Smartphone-Kameras funktionieren außer bei sehr schwachem Licht gut; trage das Telefon in einer Innentasche, damit die Kälte den Akku nicht entleert.
Etikette beim Schneeschuhwandern auf Schweizer Bergwegen
Das Schweizer Winterwegnetz wird von mehreren Nutzergruppen geteilt — Schneeschuhwanderern, Winterwanderern, Langläufern und gelegentlich Fatbike-Fahrern. Es gelten informelle, aber wichtige Regeln:
- Geh nicht in den Langlaufspuren. Laufe mit Schneeschuhen auf der präparierten Fläche neben den Spuren, nicht in den parallelen Rillen der klassischen Langläufer.
- Lass auf schmalen Bergpfaden entgegenkommenden Abwärtsgehenden den Vortritt. Wer bergauf geht, kann leichter anhalten als jemand, der beim Abstieg Tempo aufnimmt.
- Gib auf gemeinsam genutzten Abfahrtsabschnitten Skifahrern den Vortritt. Schneeschuhwanderer sind langsamer und schlechter sichtbar als Skifahrer; wer am Wegrand bleibt, vermeidet Konflikte.
- Überschreite keine Lawinenverbauungen, gesperrte Routen oder markierte Sperrzonen. Sie bestehen aus Sicherheitsgründen, die von unten nicht immer sofort erkennbar sind.
- Hinterlasse keine Spuren: Nimm sämtliche Abfälle mit, störe keine Wildtiere und vermeide Abkürzungen durch die Vegetation an steilen Hängen, wo die Schneeverdichtung Alpenpflanzen schädigen kann.
Häufig gestellte Fragen zum Schneeschuhwandern in der Schweiz
Brauche ich Wandererfahrung, um Schneeschuhe zu nutzen? Nein. Grundlegende Fitness für einen mässigen Spaziergang reicht für die meisten markierten Wege aus. Die Technik ist in wenigen Minuten gelernt, und präparierte Wege im Engadin, im Berner Oberland und rund um Luzern sind so eingestuft, dass Anfänger eine passend leichte Route wählen können.
Ist Schneeschuhwandern besser als Winterwandern auf geräumten Wegen? Sie erfüllen unterschiedliche Zwecke. Winterwandern auf geräumten, festgetretenen Wegen braucht keine Spezialausrüstung und eignet sich für sanfte Talwanderungen; Schneeschuhwandern erschließt Wege durch tieferen, nicht präparierten Schnee, die geräumte Wege nicht erreichen. Viele Besucher kombinieren beides während eines mehrtägigen Aufenthalts — im Winterwander-Leitfaden findest du die Alternative mit geräumten Wegen.
Schneeschuhwandern mit einer grösseren Schweizer Winterreise kombinieren
Schneeschuhwandern funktioniert gut als ein Baustein eines breiteren Winteraufenthalts statt als einzige Aktivität. Mit Standort in St. Moritz oder Pontresina bist du nah an den besten Engadiner Routen und in Reichweite von Eislaufen, Langlauf und den Skipisten der Region. Ab Grindelwald oder Luzern lässt sich Schneeschuhwandern natürlich mit einem Tag auf der Rigi oder dem Pilatus verbinden. Die vollständige Mehrtagesplanung findest du im Winter-Reiseroutenleitfaden.


