Eisklettern in der Schweiz: Kandersteg, Pontresina und mehr

Eisklettern in der Schweiz: Kandersteg, Pontresina und mehr

Quick answer

Wo kann ich in der Schweiz Eisklettern gehen?

Kandersteg im Berner Oberland, besonders das Gebiet um den Oeschinensee, ist das führende Eisklettergebiet der Schweiz mit Dutzenden Routen aller Schwierigkeitsgrade. Pontresina im Engadin ist das zweite grosse Zentrum, mit zuverlässigen Bedingungen von Dezember bis März.

Eisklettern in der Schweiz: Was Sie wissen müssen

Auf einen Blick

WoKandersteg (Berner Oberland) und Pontresina (Engadin) sind die Hauptzentren
KostenPreise auf Anfrage beim Bergführerbüro Kandersteg
ZeitbedarfHalber Tag für einen Schnupperkurs; ein ganzer Tag, um die Technik zu verbessern
AnreiseZug nach Kandersteg (60 Min. ab Bern) oder Pontresina (über St. Moritz)
Beste ZeitJanuar-Februar für die zuverlässigsten Eisbedingungen

Eisklettern — das Besteigen gefrorener Wasserfälle und Eisformationen mit Eispickeln und Steigeisen — ist eine der anspruchsvollsten und lohnendsten alpinen Winteraktivitäten der Schweiz. Anders als bei Skigebiets-Aktivitäten, in denen die Infrastruktur das Erlebnis zugänglich macht, erfordert Eisklettern technisches Können, spezielle Ausrüstung und in den meisten Fällen die Begleitung eines ausgebildeten Bergführers, zumindest bis man eigene Kompetenz und ein eigenes Sicherheitsbewusstsein entwickelt hat.

Dieser Leitfaden stellt die beiden wichtigsten Eiskletterziele der Schweiz vor, die geführten Angebote für absolute Anfänger, die erforderliche Ausrüstung und die logistische Planung der Saison.

Der Beruf des Schweizer Bergführers gehört zu den am strengsten zertifizierten der Welt. UIAGM/IFMGA-zertifizierte Führer (zertifiziert durch die Internationale Vereinigung der Bergführerverbände) arbeiten in allen hier beschriebenen Zentren und bieten nicht nur Sicherheitsaufsicht, sondern echte Technikschulung. Ein geführter Kurs ist der effizienteste Weg zur Kompetenz im Eisklettern und der passende Ansatz für Besucher ohne Vorerfahrung.

Kandersteg: die Eiskletterhauptstadt der Schweiz

Kandersteg ist ein kleines Dorf am Ende des Kandertals im Berner Oberland, direkt unterhalb der steilen Wände von Blümlisalp und Doldenhorn. Es ist zugleich Ausgangspunkt einer der schönsten Bergwanderungen der Schweiz — des Wegs zum Oeschinensee, einem tiefblauen, türkisfarbenen See in einem Kessel aus Kalkfelsen.

Im Winter gefrieren genau diese Felswände. Oberhalb und rund um den Oeschinensee bilden sich Dutzende Eisrouten in Felswänden und Rinnen, von kurzen Anfängerflows, die per Gondelbahn ab Kandersteg erreichbar sind, bis zu langen Mehrseillängenrouten in ernstem Berggelände. Die Konzentration von Eisrouten auf kleinem Raum, die verlässlichen Temperaturen und die ausgezeichnete Infrastruktur machen Kandersteg zum unbestrittenen Zentrum des Schweizer Eiskletterns.

Die Eisrouten am Oeschinensee:

Die Gondelbahn von Kandersteg zur Bergstation (1640 m) bringt Besucher in 20 Minuten Gehzeit zu den wichtigsten Anfänger- und Fortgeschrittenenrouten. In einer guten Saison (kalt und stabil ab Dezember) sind typischerweise folgende Eisformationen vorhanden:

  • Kurze Anfängerflows von 10-20 Metern Höhe, ideal für Einführungskurse, in denen die Technik an flachem und vertikalem Eis geübt werden kann
  • Fortgeschrittene Säulen und Kaskaden von 30-50 Metern, die solide Pickeltechnik und sicheres Steigeisengehen erfordern
  • Wasserfallrouten in voller Länge von 60-120 Metern für erfahrene Kletterer
  • Alpine Mehrseillängenrouten, die Eis, gemischtes Gelände (Fels und Eis) und alpinen Zustieg für Alpinisten verbinden

Das Bergführerbüro Kandersteg ist die erste Anlaufstelle für geführte Kurse und Touren. Angeboten werden halbtägige Einführungskurse (etwa drei bis vier Stunden an kurzem Anfängereis) und Ganztageskurse; die aktuellen Preise erfragt man direkt beim Bergführerbüro Kandersteg, private Führungen werden separat berechnet.

Anreise nach Kandersteg: Direkter Zug ab Bern (60 Minuten) oder ab Spiez (30 Minuten). Der Swiss Travel Pass deckt die Anreise nach Kandersteg ab. Die Gondelbahn ins Gebiet Oeschinensee fährt im Winter und ist mit dem Swiss Travel Pass vergünstigt.

Eisbedingungen und Saison: Die Eisrouten bei Kandersteg bilden sich in kalten Wintern zuverlässig ab Ende November und erreichen typischerweise im Januar optimale Verhältnisse. Die Hauptsaison dauert von Januar bis Anfang März. Warmphasen über 5 °C können Routen aufweichen oder einstürzen lassen; die Bedingungen sollten beim örtlichen Führungsbüro oder über Online-Routenberichte geprüft werden, bevor man gezielt zum Klettern anreist.

Pontresina und das Engadin

Pontresina, ein Dorf im Engadin in Graubünden neben St. Moritz, ist das zweite grosse Eiskletterzentrum der Schweiz. Die Berge rund um Pontresina — Muottas Muragl, die Languard-Kette und die Täler Richtung Bernina-Massiv — bieten zahlreiche gefrorene Wasserfälle in verschiedenen Höhenlagen und Expositionen.

Das Bergführerbüro Pontresina ist eines der aktivsten und bekanntesten der Schweiz, mit langer Tradition im alpinen Führen auf den grossen Routen der Bernina. Eisklettern ist ein wichtiger Teil des Winterprogramms. Die Kurse reichen von Anfängereinführungen bis zur Vorbereitung auf alpine Mixed-Routen am Piz Palü oder Piz Bernina.

Das Gebiet des Morteratschgletschers: Die unteren Bereiche des Morteratschgletschers, per Zug ab Pontresina erreichbar, bieten in kalten Wintern einige Eisformationen, doch wegen des schnell schwindenden Gletschers sind die Bedingungen hier weniger verlässlich als in Kandersteg.

Eisrouten im Val Bever: Das Seitental Bever oberhalb von S-chanf hat verlässlich tiefe Temperaturen (das Engadin ist im Winter die meteorologische Kältekammer der Schweiz und verzeichnet regelmässig die tiefsten Temperaturen des Landes) und mehrere Wasserfallgebiete, die auf Ski oder Schneeschuhen erreicht werden.

Anreise nach Pontresina: Zug ab Zürich (3,5 Stunden über Chur) oder ab St. Moritz (10 Minuten mit Zug oder PostAuto). Der Swiss Travel Pass deckt die Anreise ab.

Weitere Eiskletterziele in der Schweiz

Gebiet Grindelwald: Die Berge oberhalb von Grindelwald im Berner Oberland bilden Eisrouten in den Karen und Rinnen unterhalb von Eiger und Wetterhorn. Sie werden auf Ski oder Schneeschuhen erreicht und in der Regel im Rahmen geführter Touren statt selbstständig begangen. Der Kontrast zwischen der berühmten Eiger-Nordwand darüber und den gefrorenen Wasserfällen darunter schafft eine bemerkenswerte visuelle Umgebung. Nichtkletterer in der Gruppe können dieselbe Winterkulisse bei der Gondelfahrt von Grindelwald auf den First genießen.

Leukerbad, Wallis: Im Thermalbad-Ort Leukerbad im Wallis bilden sich Eisrouten an den mächtigen Kalkwänden der Gemmi. Die ungewöhnliche Kombination aus Eisklettern und Thermalbad nach der Session macht den Ort zu einem beliebten Winterziel für Kletterer und Nichtkletterer in einer Gruppe.

Uri und Gotthardregion: Das Reusstal und die Seitentäler oberhalb von Amsteg und Gurtnellen bieten zahlreiche gefrorene Wasserfälle, die vor allem von einheimischen Kletterern genutzt werden. Weniger bekannt als Kandersteg oder Pontresina, bieten sie Alternativen, wenn die Hauptzentren überlaufen sind.

Kandersteg vs. Pontresina: welche Wahl treffen

KanderstegPontresina
RegionBerner OberlandEngadin, Graubünden
RoutendichteHöchste der Schweiz, nahe OeschinenseeVerteilt über mehrere Täler
Typische TemperaturenKalt, zuverlässig ab JanuarKälteste je gemessene Temperaturen der Schweiz
Anreise ab ZürichÜber Bern, insgesamt etwa 2,5 StundenRelativ direkt über Chur, etwa 3,5 Stunden
Gut zu kombinieren mitSchlitteln, Schneeschuhwandern, Thermalbäder LeukerbadSkifahren in St. Moritz und Engadiner Landschaft

Beide Zentren verfügen über UIAGM-zertifizierte Führungsbüros und vergleichbare Kurspreise. Kandersteg hat die Nase vorn bei der reinen Routendichte und lässt sich leichter mit einer Reise auf Basis des Berner Oberlands kombinieren; Pontresina eignet sich für Besucher, die bereits Zeit im Engadin rund um St. Moritz verbringen.

Wo für einen Eiskletter-Trip übernachten

Kandersteg selbst hat eine begrenzte, aber komfortable Unterkunftsauswahl direkt am Ausgangspunkt — eine Buchung zwei bis drei Monate im Voraus für Januar-Februar ist angesichts der geringen Dorfgrösse unerlässlich. Besucher, die stattdessen in Interlaken übernachten, erreichen Kandersteg mit dem Zug in weniger als einer Stunde, was einen Tagesausflug machbar macht, falls eine Übernachtung im Dorf nicht verfügbar ist. Für Pontresina bietet der Nachbarort St. Moritz eine viel breitere Hotelauswahl in kurzer Zugentfernung, was für diese Region oft die flexiblere Basis ist.

Ausrüstung zum Eisklettern

Eisklettern erfordert eine andere Ausrüstung als andere alpine Aktivitäten. Bei geführten Kursen stellt in der Regel der Führer die gesamte technische Ausrüstung. Selbstständige Kletterer benötigen Folgendes:

Eisgeräte (Pickel): Moderne technische Eisgeräte haben ergonomisch geformte Haken, die beim Schlag über Kopf im Eis einrasten. Es werden zwei Geräte gleichzeitig verwendet. Technische Eisgeräte unterscheiden sich stark von alpinen Eispickeln. Mieten kann man sie in Sportgeschäften in Kandersteg und Pontresina; die aktuellen Preise erfragt man im Geschäft.

Steigeisen: Eisklettersteigeisen haben zwei nach vorn gerichtete Frontzacken (Mono- oder Dual-Point) und steife Stahlrahmen zur Befestigung an steifen Bergstiefeln. Bergstiefel mit steifer Sohle sind erforderlich — flexible Wanderschuhe sind mit technischen Eiskletter-Steigeisen nicht verwendbar. Die Miete ist zusammen mit den Geräten möglich.

Bergstiefel: Steife Doppelstiefel mit isoliertem Innenschuh für kalte Bedingungen. Unverzichtbar für Eisklettern im Schweizer Winter. Durch anderes Schuhwerk nicht ersetzbar.

Helm: Pflicht. Von oben fällt Eis, ein Helm ist unverzichtbar. Bei geführten Kursen wird er gestellt.

Klettergurt, Seile, Sicherungsmaterial: Die gesamte Seilausrüstung liegt bei geführten Kursen in der Verantwortung des Führers. Selbstständige Kletterer benötigen ein vollständiges Set aus Eisschrauben, Seilen, Sicherungsgeräten und Klettergurten.

Warme Kleidung: Beim Eisklettern hängt man längere Zeit am Eis, während man Sicherungen legt oder rastet, wobei die Körpertemperatur schnell sinkt. Funktionsunterwäsche, isolierende Mittelschichten und eine Hardshell-Jacke sind das Minimum. Handwärmer sind beim Sichern nützlich.

Was Sie bei einem Eiskletterkurs für Anfänger erwartet

Ein typischer halbtägiger Eiskletter-Einführungskurs in Kandersteg oder Pontresina läuft wie folgt ab:

Morgendliche Einweisung (30-45 Minuten): Der Führer erklärt Sicherheitsprinzipien, Ausrüstung, den Gebrauch von Steigeisen auf Schnee und Eis sowie die Grundlagen der Pickeltechnik. Die Ausrüstung wird angepasst.

Zustieg (20-45 Minuten): Gehen oder Schneetransport zum Kletterplatz. In der Regel auf Schnee, mit Steigeisen ab dem Einstieg.

Top-Rope-Klettern (2-3 Stunden): Der Führer richtet an einer geeigneten Anfängerroute (flach bis vertikal, 10-20 Meter Höhe) ein gesichertes Top-Rope ein. Die Teilnehmer steigen abwechselnd auf, während der Führer von unten Steigeisentechnik und Pickelplatzierung coacht. Die meisten Anfänger schaffen zwei bis vier Durchgänge pro Session.

Technikfortschritt: Bessere Technik erlaubt im Kurs den Übergang von flachen Platten zu steilerem, vertikalem Eis. Viele Teilnehmer machen innerhalb eines einzigen Tages deutliche technische Fortschritte.

Rückweg und Nachbesprechung: Der Führer gibt Empfehlungen für die nächsten Entwicklungsschritte.

Eiskletterreise planen

Beste Monate: Januar und Februar sind für die Eisbedingungen in allen Schweizer Gebieten optimal. Der Dezember kann in kalten Jahren hervorragend sein; im März werden die Bedingungen mit steigenden Temperaturen unberechenbar.

Unterkunft: Kandersteg hat eine Auswahl an Hotels und Gasthäusern direkt im Dorf. Buchung über die Website der Dorfinformation. Das Dorf ist klein, und die Unterkünfte sind in der Hochsaison (Januar-Februar) ausgebucht; reservieren Sie mindestens zwei bis drei Monate im Voraus.

Aktivitäten kombinieren: Die Nähe Kanderstegs zu den Schneeschuhwegen am Oeschinensee bedeutet, dass Partner, die nicht klettern, einen ganzen Tag voller Aktivität haben können, während andere klettern. Die Thermalbäder von Leukerbad sind die ideale abendliche Erholung nach einem Klettertag. Das Skigebiet im Berner Oberland ist von Kandersteg aus leicht mit dem Zug erreichbar.

Winter-Reiserouten: Ein dreitägiges Kandersteg-Programm mit einem Tag Schlitteln in Kandersteg, einem Tag Eisklettern (geführt) und einem Tag Schneeschuhwandern rund um den Oeschinensee ist eines der besten konzentrierten Winterabenteuer der Schweiz.

Eisklettern ist nicht für jeden — die Anforderungen durch Kälte, die technische Lernkurve und die körperlichen Ansprüche machen es eher für Menschen mit Outdoor-Erfahrung geeignet, die eine neue Herausforderung suchen. Doch die Kombination aus Schweizer Bergwelt, der Qualität des zertifizierten Führernetzes und der Konzentration zugänglicher Routen gerade in Kandersteg macht die Schweiz zu einem der besten Orte der Welt für die ersten Schritte in dieser faszinierenden Disziplin.

Eisklettergrade verstehen

Eiskletterrouten werden mit einem System bewertet, das eine römische Zahl (I bis VII) mit Zusätzen kombiniert. Das System unterscheidet sich von Felskletter-Graden darin, dass sich die Eisbedingungen täglich ändern — eine WI4-Route (Waterfall Ice Grad 4) bei perfekter Kälte ist etwas völlig anderes als dieselbe Route bei Tauwetter im Frühling.

Übliche Grade für Besucher:

  • WI2: Flaches Eis (50-60 Grad) mit guten Platzierungen. Ideal für absolute Anfänger in einem Einführungskurs.
  • WI3: Steileres Eis (60-75 Grad) mit gleichmässigen Platzierungen. Standardgelände für Fortgeschrittene.
  • WI4: Vertikales oder fast vertikales Eis mit guten Strukturen. Erfordert solide Technik.
  • WI5: Anhaltend vertikales Eis, oft mit dünnen oder hohlen Passagen. Nur für erfahrene Kletterer.
  • WI6+: Hochtechnisch, dünnes Eis, das aussergewöhnliches Können verlangt.

Die meisten Einführungskurse in Kandersteg finden in WI2-3-Gelände statt. Die Genugtuung, eine WI3-Passage zu meistern — pumpende Arme, schwingende Pickel, Steigeisenzacken, die sich ins Eis beissen —, ist in einem geführten Anfängerkurs nach einem Tag konzentrierter Anleitung durchaus erreichbar.

Zertifizierung der Schweizer Bergführer

Die Schweizer Bergführer werden über die UIAGM/IFMGA (Internationale Vereinigung der Bergführerverbände) ausgebildet und zertifiziert, den weltweiten Goldstandard für alpines Führen. Schweizer Bergführer absolvieren eine vierjährige Ausbildung, die technische Fertigkeiten in allen Bergdisziplinen, Lehrmethodik, Erste Hilfe, Bergmeteorologie und Rettung umfasst. Die Zertifizierung setzt das Bestehen anspruchsvoller technischer und pädagogischer Prüfungen voraus.

Wenn Sie einen Führer zum Eisklettern buchen, vergewissern Sie sich, dass er über eine UIAGM-Zertifizierung verfügt. Die Bergführerbüros in Kandersteg und Pontresina beschäftigen ausschließlich zertifizierte Führer. Bei privaten Führern, die über Dritte gebucht werden, sollte man sich die Zertifizierung bestätigen lassen.

Schweizer Führer sind zudem für ihre Führungstätigkeit versichert. Das ist bei inoffiziellen «Führer»-Diensten, die gelegentlich von erfahrenen Kletterern angeboten werden, nicht der Fall — eine Kategorie, die man bei jeder technischen Bergaktivität meiden sollte.

Eisklettern im Kontext: die breitere Abenteuerszene

Eisklettern in der Schweiz ist Teil einer breiteren winterlichen Abenteuersportkultur, zu der Schneeschuhwandern, Winterwandern, Langlaufen und Schlitteln gehören. Für abenteuerlustige Besucher, die im Winter eine Woche im Berner Oberland verbringen, verleiht ein einzelner Tag Eisklettern einem Programm, das sonst um Skifahren oder Schneeschuhwandern aufgebaut wäre, eine völlig neue Dimension.

Die Schweizer Abenteuersport-Gemeinschaft ist überschaubar und eng vernetzt — Führer, die im Januar in Kandersteg Eiskletterkurse leiten, führen im Sommer vielleicht Kletter- oder Klettersteigkurse in Zermatt. Wer bei einem Führerbüro eine Aktivität bucht, öffnet sich oft die Tür zu einem breiteren Programm an Bergerlebnissen.

Wer durch das Eisklettern zu längerfristigen alpinen Ambitionen inspiriert wird — den klassischen 4000ern, Skihochtouren auf der Haute Route oder technischen Felsrouten am Eiger oder Matterhorn —, findet im Schweizer Führernetz den Ausbildungsweg. Die Bergführerbüros Kandersteg und Pontresina bieten beide mehrtägige alpine Ausbildungskurse an, die vom Eisklettern zu umfassender Bergkompetenz führen. Der Leitfaden zu Abenteuer-Reiserouten zeigt, wie sich diese Erlebnisse in Schweiz-Besuche unterschiedlicher Länge integrieren lassen.

Fotografie an Schweizer Eiskletterzielen

Der visuelle Charakter der Schweizer Eiskletterziele — dramatische gefrorene Wasserfälle in Kalk- oder Granitlandschaften, Kristallformationen auf der Eisoberfläche, Kletterer als Silhouetten vor weißem Eis mit Bergkulisse — liefert aussergewöhnliches Fotomaterial.

Wichtige fotografische Hinweise:

Kälte beeinträchtigt Kameraakkus erheblich. Bei -10 Grad Celsius behält ein voll geladener Lithiumakku möglicherweise nur 50-60 Prozent seiner Kapazität. Bewahren Sie Ersatzakkus in einer Innentasche auf und wechseln Sie sie bei Bedarf. Viele Kletterer legen bei Kälte Handwärmer neben das Akkufach.

Kondenswasser auf dem Objektiv ist ein Risiko beim Wechsel von der kalten Aussentemperatur in warme Hütten. Lassen Sie die Kamera in ihrer Tasche allmählich anwärmen, bevor Sie sie drinnen herausnehmen. Der direkte Kontakt warmer, feuchter Luft mit kaltem Glas führt zu Kondensation, die erst nach einiger Zeit verschwindet.

Motivabstand: Eiskletterfotografie funktioniert am besten aus 10-30 Metern Entfernung vom Kletterer, sodass die gesamte Eisformation im Bild Platz findet. Ein 70-200-mm-Objektiv ist ideal für Umgebungsporträts, die den Kletterer im Kontext des Eises zeigen. Für Detailaufnahmen von Geräten und Steigeisen bietet ein 50-mm-Objektiv oder weitwinkligeres mehr Arbeitsabstand auf dem Eis.

Bestes Licht: Nordexponierte Eisrouten (in der Schweiz wegen ihrer zuverlässigen Bildungsbedingungen häufig) haben den ganzen Tag über gleichmässiges, diffuses Licht. Vermeiden Sie das harte Mittagslicht, das flache, überstrahlte Verhältnisse erzeugt. Frühes Morgenlicht auf ostexponiertem Eis kann wunderschöne warme Töne erzeugen.

Die Rolle des Eiskletterns in der Schweizer Alpingeschichte

Eisklettern als eigenständige Aktivität ist eine moderne Entwicklung, doch das Besteigen gefrorener Wasserfälle und eisiger Rinnen gehört seit dem 19. Jahrhundert zum Schweizer Alpinismus. Die Pioniere der Erstbesteigungen der grossen Schweizer Gipfel — Matterhorn 1865, Eiger 1858, Finsteraarhorn 1812 — kletterten zwangsläufig Eis- und Mixed-Passagen ohne die moderne Ausrüstung, die heute selbstverständlich ist.

Die Steigeisen, die Whymper bei der Matterhorn-Erstbesteigung 1865 verwendete, waren einfache Vierzacker, die unter die Stiefelsohlen geschnallt wurden. Moderne Steigeisen mit zehn oder zwölf Zacken samt Frontzacken wurden erst in den 1930er Jahren entwickelt. Moderne technische Eispickel — die gekrümmten, ergonomischen Geräte für Wasserfalleis — waren erst in den 1970er Jahren weit verbreitet. Die rasche Entwicklung des Eiskletterns zu einer eigenen Disziplin ist weitgehend eine Geschichte der letzten 50 Jahre.

Dieser historische Kontext verwandelt den Besuch in Kandersteg oder Pontresina. Die Bergführer, die Besucher in diesen Tälern in Eiskletter-Einführungskurse mitnehmen, sind die direkten beruflichen Nachfahren der Führer, die diese Routen in der vortechnischen Zeit als Erste erkundeten und benannten. Die Verbindung zwischen der Schweizer Führertradition und dem Erlebnis eines modernen Besuchers in einem Anfänger-Eiskurs ist direkt und ungebrochen.

Wer sich für die weitere Geschichte des Schweizer Alpinismus interessiert: Das Museum des Schweizer Alpen-Clubs in Bern verfügt über umfangreiche Archive, und das Alpine Museum in der Bundesstadt behandelt die Geschichte der Schweizer Bergerschliessung von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis heute. Ein Museumsbesuch in Kombination mit einem geführten Tag in den Bergen ergibt ein besonders stimmiges Verständnis dieser Dimension der Schweizer Kultur.

Anreise zu Eiskletterzielen ohne Auto

Alle in diesem Leitfaden beschriebenen grossen Eiskletterziele sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar:

  • Kandersteg: Zug ab Bern (60 Minuten) auf der Lötschberg-Linie. Die Gondelbahn ins Gebiet Oeschinensee fährt im Dorf ab.
  • Pontresina: Zug nach St. Moritz oder Samedan, dann Anschlusszug nach Pontresina (10 Minuten). Ab Zürich: etwa 3,5 Stunden.
  • Leukerbad: Zug nach Leuk, dann PostAuto nach Leukerbad (30 Minuten).

Der Swiss Travel Pass deckt alle diese Verbindungen ab. Für Winter-Reiserouten mit Eisklettern zeigt der Leitfaden, wie sich die Aktivität mit Skifahren und Schneeschuhwandern im selben Gebiet kombinieren lässt.

Häufig gestellte Fragen zu Eisklettern in der Schweiz

Brauche ich Vorerfahrung im Klettern, um Eisklettern in der Schweiz auszuprobieren?

Nein — sowohl Kandersteg als auch Pontresina bieten Einführungskurse für komplette Anfänger an, bei denen Top-Rope-Aufbauten verwendet werden und der Führer alle Sicherheitssysteme verwaltet. Vernünftige Fitness und Wohlbefinden bei kalten Bedingungen sind wichtiger als vorherige Klettererfahrung.

Ist Eisklettern in der Schweiz für Erstlinge sicher?

Mit einem UIAGM/IFMGA-zertifizierten Führer ist Eisklettern eine gut kontrollierte Aktivität — Führer richten gesicherte Top-Ropes ein, stellen die gesamte technische Ausrüstung und coachen die Technik engmaschig. Wie bei jeder Alpenaktivität ist das Risiko nie null, weshalb die Buchung eines zertifizierten Führers statt eines informellen „Führer“-Service so wichtig ist.