Schweizer Panoramazüge: 10 Tage auf den grossen Bahnstrecken
Warum eine zugfokussierte Reise funktioniert
Die Schweiz hat das feinste Gebirgsbahnetz der Welt aufgebaut. Die Kombination aus dem Ingenieursehrgeiz des 19. Jahrhunderts, ausserordentlicher alpiner Topografie und einem nationalen Bekenntnis zum öffentlichen Verkehr hat ein System hervorgebracht, wo jede grosse Route ein malerisches Erlebnis ist – und wo fünf spezifische Züge als die grossen Bahnreisen der Welt bekannt geworden sind. Dieses 10-Tage-Programm ist rund um das Fahren aller fünf aufgebaut, während gleichzeitig die bedienten Destinationen besucht werden.
Die fünf ikonischen Züge:
- Der Glacier Express – Zermatt nach St. Moritz, 8 Stunden, 291 Brücken, 91 Tunnel
- Der Bernina Express – St. Moritz nach Tirano (Italien) über den höchsten Alpen-Passbahnhof
- Der GoldenPass Panoramic – Montreux nach Interlaken durch das Pays-d’Enhaut
- Der Gotthard Panorama Express – Luzern nach Locarno per Dampfschiff und Vintage-Zug
- Der Schokoladenzug – Montreux nach Broc via Greyerz
Der Swiss Travel Pass deckt alle ab; Sitzplatzreservierungen sind für den Glacier Express und Bernina Express erforderlich (und für den GoldenPass Panoramic empfohlen).
Tag 1: Zürich – Ankunft und Vorbereitung
In Zürich ankommen und den Swiss Travel Pass abholen (oder die digitale Version in der SBB-App aktivieren). Der Zürich Hauptbahnhof ist der grösste Bahnhof der Schweiz und lohnt sich selbst zu erkunden – die Haupthalle hat eine grosse Pendelkulptur von Jean Tinguely, und die unteren Ebenen offenbaren eine weitläufige unterirdische Einkaufs- und Transitstadt.
Den Nachmittag in Zürich verbringen. Die Altstadt abwandern: Grossmünster, Fraumünster (Chagall-Fenster) und den Lindenhügel für das klassische Stadtpanorama. Das Lindt Home of Chocolate Museum in Kilchberg (20 Min. mit der S-Bahn, letzter Einlass 17 Uhr) ist eine ausgezeichnete Nachmittagsoption und relevanter Kontext für den Schokoladenzug später in der Woche.
Am Abend die Zugbuchungsdetails prüfen. Der Glacier Express erfordert eine spezifische Abfahrtszeit und zugewiesenen Sitzplatz.
Unterkunft: 1 Nacht Zürich.
Tag 2: Luzern – Tor zum Gotthard
Zug von Zürich nach Luzern (45 Min.). Den Morgen in der Stadt verbringen: Kapellbrücke, Museggmauer und das Schweizer Verkehrshaus (mit Swiss Travel Pass abgedeckt). Das Verkehrshaus ist für ein zugfokussiertes Programm einzigartig geeignet – die Eisenbahnabteilung zeichnet 175 Jahre Schweizer Eisenbahngeschichte mit Originallokomotiven und interaktiven Ausstellungen nach.
Nachmitagsinformation
Luzern ist der Ausgangspunkt für den Gotthard Panorama Express, den Sie morgen fahren werden. Nachmittags entlang der Reuss und dem Seeufer spazieren.
Der SBB Railaway-Shop im Luzerner Bahnhof hat eine ausgezeichnete Auswahl an Schweizer Zugbüchern und Souvenirs.
Unterkunft: 1 Nacht Luzern.
Tag 3: Gotthard Panorama Express – Luzern nach Locarno
Der Dampfer und die Gebirgsbahn
Der Gotthard Panorama Express ist eine zweiteilige Reise: ein historisches Raddampfschiff von Luzern die gesamte Länge des Vierwaldstättersees hinunter (2,5 Std.), dann ein Panoramazug durch das Gotthardmassiv nach Locarno am Lago Maggiore (2 Std.).
Der Dampfabschnitt verlässt den Luzerner Bahnhofkai (aktuelle Fahrpläne prüfen) und passiert die Rütliwiese – den Gründungsort der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291 –, die Tell-Platte (Wilhelm-Tell-Landesteg) und die Seeenge bei Brunnen, wo die Berge senkrecht aus dem Wasser aufsteigen. Mittagessen kann an Deck genossen werden.
Der Zugabschnitt von Flüelen durch die alte Gotthardtunnel-Route klettert durch die historischen Spiraltunnel (gebaut 1882), die das Steigungsproblem mit vier vollständigen Schleifen lösten. Der Abschnitt durch das Tessin, der durch Kastanienwälder Richtung der italienischen Grenze absteigt, unterscheidet sich dramatisch vom alpinen Norden.
Am frühen Abend in Locarno ankommen. Sitzplatzreservierung erforderlich (ca. CHF 15).
Unterkunft: 1 Nacht Locarno oder Lugano.
Tag 4: Lugano und Verbindungen in den Süden
Falls in Locarno übernachtet: Zug nach Lugano (50 Min.) für den Tag. Lugano ist die südlichste Grossstadt der Schweiz – Palmen, Piazza-Stil und ein tiefblauer See, umgeben von voralpinen Hügeln. Den Corso Pestalozzi und die Piazza della Riforma abwandern, die Standseilbahn zum Monte San Salvatore (912 m) für das klassische Panorama nehmen und in einem der Piazza-Restaurants zu Mittag essen.
Nachmittags mit dem Zug von Lugano nordwärts via Bellinzona Richtung St. Moritz fahren (ca. 3 Std.). Dies ist Positionierungsreise für den morgigen Bernina Express.
Unterkunft: 1 Nacht St. Moritz.
Tag 5: Bernina Express – St. Moritz nach Tirano
Die UNESCO-Gebirgsbahn
Der Bernina Express gilt weithin als malerischste Bahnstrecke der Welt – eine UNESCO-Welterbelinie, die auf 2.253 Meter über dem Meeresspiegel am Berninapass aufsteigt, permanente Schneefelder und Gletscher im Sommer überquert und durch subtropische Vegetation zur italienischen Grenzstadt Tirano absteigt. Die gesamte Fahrt von St. Moritz nach Tirano dauert ca. 2,5 Stunden.
Wichtige Momente: die Montebello-Kurve (das klassische geschwungene Viadukt mit dem Morteratsch-Gletscher im Hintergrund), der Diavolezza-Berg, Alp Grüm (2.091 m, mit Blick auf das Puschlav davor), der Palüsee und das Brusio-Kreisviadukt – eine perfekte Steinschleife zur Steigungskontrolle auf dem Abstieg an der Italienischen Grenze, eine der grossen Bahnbaustrukturen der Welt.
Sitzplatzreservierung erforderlich (CHF 13–33 je nach Klasse). Die 1. Klasse gibt breitere Panoramafenster und einen Speiseservice.
Am frühen Nachmittag in Tirano ankommen. Vor dem Mittagessen in einem echten Italienischen Restaurant die Basilica di Madonna di Tirano (1505, direkt neben der Ankunftsstelle des Zuges) besuchen.
Nachmittag – Puschlav und Rückkehr
Optionen ab Tirano: per späterem Bernina Express nach St. Moritz zurückkehren oder den Regionalzug nehmen und in Poschiavo stoppen – ein wunderschön erhaltenes spanisch anmutendes Dorf im Italienischen Tal.
Unterkunft: 1 Nacht St. Moritz oder Chur.
Tag 6: Reise nach Zermatt – Positionierung für den Glacier Express
Zug von St. Moritz oder Chur nach Zermatt via Brig (ca. 4 Std.). Am frühen Nachmittag in Zermatt ankommen.
Den Abend im autofreien Dorf verbringen. Zur Sunnega-Standseilbahn (Swiss Travel Pass 50% Rabatt) für das letzte Nachmittagslicht auf dem Matterhorn gehen. Abendessen – Raclette, Zermatt’s Signaturgerichte.
Die Glacier Express-Reservierung für morgen früh nochmals überprüfen. Der Zug fährt um 9.52 Uhr ab (Abfahrtszeit je nach Saison prüfen). Der Sitzplatz ist zugewiesen.
Unterkunft: 1 Nacht Zermatt.
Tag 7: Glacier Express – Zermatt nach St. Moritz
Der weltberühmteste Panoramazug
Der Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz in der 1. Klasse ist der Höhepunkt dieses Programms. Acht Stunden, 291 Brücken, 91 Tunnel, 296 Kilometer vom Fuss des Matterhorns bis ins Engadin. Der Zug fährt um 9.52 Uhr ab Zermatt ab und erreicht St. Moritz um 18.57 Uhr.
Die Route erzählt die gesamte Topografie der zentralen Alpen. Ab Zermatt klettert der Zug das Mattertal hinauf und überquert den Furka-Pass (2.431 m via den Furka-Basistunnel) nach Andermatt. Der Abschnitt Andermatt–Disentis klettert den Oberalppass (2.033 m, der höchste Punkt der Reise) hinauf. Der Abstieg nach Chur führt durch die Rheinschlucht (Ruinaulta) – eine 13-Kilometer-Schlucht aus weissem Fels, manchmal der „Schweizer Grand Canyon” genannt.
Das Mittagessen wird am Platz in der 1. Klasse serviert – ein vollständiges Dreigänge-Menü mit Wein. Das berühmte geneigte Weinglas (der Zug ist so langsam und das Gefälle so konsistent, dass am Oberalppass eingefüllter Wein im Glas schräg bleibt) ist ein Standardwitz unter Glacier-Express-Veteranen.
Sitzplatzreservierung für die 1. Klasse kostet CHF 43 zusätzlich zum Swiss Travel Pass. Mindestens zwei bis drei Wochen im Voraus im Sommer buchen.
Unterkunft: 1 Nacht St. Moritz (oder Chur, wenn Sie früher aussteigen möchten).
Tag 8: GoldenPass – St. Moritz-Gebiet nach Interlaken via Zweisimmen
Vom Engadin ins Berner Oberland
Von St. Moritz nach Zweisimmen mit dem Regionalzug (via Chur, ca. 3 Std.) positionieren, dann den GoldenPass Panoramic für den Abschnitt von Zweisimmen nach Montreux (ca. 2 Std.) besteigen – der malerischste Teil der Strecke. Der GoldenPass Panoramic überquert das Pays-d’Enhaut-Hochland – eine hohe Weidelandschaft völlig anders als die Hochgebirgslandschaft des Glacier Express. Der Abstieg durch die Waadtländer Voralpen Richtung Montreux gibt Blicke auf den Genfersee und die Französischen Alpen.
Am späten Nachmittag in Montreux ankommen. Die Seepromenade und die Freddie-Mercury-Statue abwandern.
Unterkunft: 2 Nächte Montreux.
Tag 9: Der Schokoladenzug – Montreux nach Broc und zurück
Süsser Bahnausflug
Der Schokoladenzug (Train du Chocolat) fährt von Montreux nach Broc via Greyerz an ausgewählten Tagen von Mai bis Oktober. Die Strecke nimmt die MOB-Schmalspurbahn durch das Pays-d’Enhaut, hält in Greyerz für einen Besuch der Käserei (La Maison du Gruyère), setzt nach Broc zur Cailler-Schokoladenfabrik fort (Werksbesichtigung und Kostung) und kehrt nach Montreux zurück. Der gesamte Ausflug dauert einen vollen Tag.
Das Käse- und Schokoladenerlebnis in Greyerz kann auch unabhängig gemacht werden, wenn der Schokoladenzug an Ihrem gewählten Tag nicht fährt.
Nachmittags zurück in Montreux: Château de Chillon besuchen, 3 Kilometer vom Ort am Seeuferweg – die mittelalterliche Festung aus dem 13. Jahrhundert auf ihrem Seefelsen.
Tag 10: Genf und Abreise
Zug von Montreux nach Genf (45 Min., mit Swiss Travel Pass abgedeckt). Letzter Morgen in der internationalsten Stadt der Schweiz: der Jet d’Eau, die Altstadt mit der Reformationsmauer und ein letzter Kaffee mit Blick auf den See vor dem Direktzug zum Genfer Flughafen (15 Min. ab Cornavin).
Praktische Informationen
Vorausbuchungen – unbedingt erforderlich für dieses Programm
| Zug | Reservierung | Erforderliche Vorlaufzeit |
|---|---|---|
| Glacier Express | CHF 43 (1. Kl.) | 3+ Wochen im Sommer |
| Bernina Express | CHF 13–33 | 2+ Wochen im Sommer |
| GoldenPass Panoramic | CHF 10–15 | 1 Woche |
| Gotthard Panorama Express | CHF 15 | 1 Woche |
| Schokoladenzug | Im Ticket enthalten | 2+ Wochen |
Alle Reservierungen können über die SBB-Website oder App gemacht werden.
Transport
Der Swiss Travel Pass (10 aufeinanderfolgende Tage) zu CHF 445 pro Erwachsenem deckt den Grundtarif für alle fünf Panoramazüge ab. Sitzplatzreservierungen kommen dazu. Der Pass deckt auch Stadtbahnen, Busse und Seefahrten im gesamten Programm ab.
Budgetschätzung (pro Person, 10 Tage)
- Swiss Travel Pass (10 Tage): CHF 445
- Zugreservierungen (alle fünf): CHF 80–100
- Bergausflüge (Pilatus, Sunnega): CHF 60–80
- Unterkunft (10 Nächte, Mittelklasse): CHF 1.600–2.200
- Verpflegung (CHF 65/Tag): CHF 650
Gesamt pro Person (ohne Flüge): CHF 2.835–3.475
Was Schweizer Panoramazüge besonders macht
Die Ingenieursleistung hinter der Landschaft
Schweizer Gebirgsbahnen sind nicht zufällig malerisch – sie sind das Ergebnis ausserordentlicher Ingenieursentscheidungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Zahnradbahnen (mit einer Mittelzahnstange für steile Steigungen) wurden speziell für Schweizer Berge erfunden: die Rigibahn (1871) war die erste europäische Bergzahnradbahn. Die Pilatusbahn (1889) hält mit 48% Steigung noch immer den Weltrekord. Der Jungfraubahn-Tunnel durch den Eiger (fertiggestellt 1912 nach 16 Jahren Bauzeit) erforderte das Bohren von 7 Kilometern durch massiven Fels.
1. Klasse vs. 2. Klasse in Panoramazügen
Die Frage der Klasse ist in Schweizer Panoramazügen relevanter als in regulären Bahnen. Im Glacier Express und Bernina Express haben die 1.-Klasse-Wagen Panoramafenster, die sich ins Dach hinaufwölben – der Blickwinkel ist wesentlich besser als in der 2. Klasse. Im GoldenPass Panoramic geben die Vorder-Panoramasitze (in beiden Klassen verfügbar) einen Führerstand-Vorwärtsblick.
Budgetempfehlung: Für Glacier Express und Bernina Express lohnt sich die 1. Klasse. Für den GoldenPass die Panorama-Vordersitze in der 2. Klasse buchen. Für den Gotthard Panorama Express ist die 2. Klasse vollkommen komfortabel.
Fotografietipps für Schweizer Bahnreisen
Die richtige Seite für die besten Aussichten wählen. Beim Glacier Express westwärts (Zermatt nach St. Moritz) für den Rhônetal-Abschnitt rechts sitzen und für die Rheinschlucht nach links wechseln. Beim Bernina Express südwärts ab St. Moritz gibt die linke Seite die Morteratsch-Gletscherannäherung.
Die Kamera für die ersten 10 Minuten nach jeder Hauptstation bereithalten – der Zug hat gerade eine Kurve oder einen Tunnel abgeschlossen und taucht in den dramatischsten Abschnitt des nächsten Tals ein.