GoldenPass Express: Montreux nach Interlaken

GoldenPass Express: Montreux nach Interlaken

Quick answer

Was macht den GoldenPass Express besonders?

Der GoldenPass Express ist der erste Zug, der ohne Umsteigen direkt von Montreux nach Interlaken fährt, dank eines einzigartigen Spurwechselsystems. Er bietet die Prestige-Klasse mit extra großen Panoramafenstern.

Was ist der GoldenPass Express?

Der GoldenPass Express ist die neueste Panoramazugverbindung der Schweiz, die im Dezember 2022 nach jahrzehntelanger Planung eröffnet wurde. Er verbindet Montreux am Genfersee mit Interlaken im Berner Oberland — eine rund 3-stündige Fahrt durch einige der abwechslungsreichsten und schönsten Landschaften der Schweiz. Was ihn technisch bemerkenswert macht — und was ihn wirklich neu macht, obwohl die Strecke seit über einem Jahrhundert existiert — ist, dass er nun als Direktzug ohne Umsteigen in Zweisimmen fährt.

Der Grund für den bisherigen Umstieg: Auf der Strecke existieren zwei verschiedene Spurweiten — der Abschnitt Montreux–Zweisimmen nutzt Meterspur (1.000 mm), während der Abschnitt Zweisimmen–Interlaken ebenfalls Meterspur, aber ein anderes System verwendet. Die Lösung des GoldenPass Express sind spezielle Spurwechsel-Radsätze, die sich automatisch am Übergang in Zweisimmen anpassen, sodass die Panoramawagen ohne Unterbrechung weiterfahren. Die Passagiere bleiben sitzen. Die Aussicht geht weiter.

Die Strecke: Montreux nach Interlaken

Die Reise umfasst rund 120 Kilometer durch drei verschiedene Landschaftszonen mit je eigenem Charakter.

Montreux nach Zweisimmen: die Weinbergsektion

Abfahrt vom Bahnhof Montreux direkt am Ufer des Genfersees. Mit dem sofortigen Anstieg aus dem Seeufer bietet sich der erste bemerkenswerte Anblick: die Lavaux-Weinbergterrassen — steile, handgepflegte Terrassen, die sich zum See hin neigen und selbst UNESCO-Weltkulturerbe sind. Der Kontrast zwischen der blauen Fläche des Genfersees, den grünen Reben und den ersten alpinen Kämmen dahinter ist sofort und eindrucksvoll.

Die Linie führt weiter durch Les Avants, ein Dorf beliebt bei Belle-Époque-Reisenden, und über den Col de Jaman, bevor sie ins Pays-d’Enhaut — das „Hochland” — absteigt. Dieses Gebiet ist kulturell eigenständig: Französischsprachig, pastoral, bekannt für Papierschnittkunst (Découpage) und handwerklichen Käse. Das Dorf Château-d’Oex beherbergt das weltberühmte Heißluftballon-Festival jeden Januar.

Der Zug steigt durch Saanen (unweit des der teuersten Schweizer Dörfer, Gstaad, nur wenige Minuten per Bus) und weiter nach Zweisimmen, wo der Spurwechsel unsichtbar unter den Wagen stattfindet.

Wichtige Stationen auf diesem Abschnitt:

  • Montreux (372 m)
  • Les Avants (975 m)
  • Château-d’Oex (1.000 m)
  • Saanen (1.004 m)
  • Gstaad (1.050 m) — optionaler Ausstieg für das Resort
  • Zweisimmen (958 m) — Spurwechselpunkt

Zweisimmen nach Interlaken: Simmental und Thunersee

Nach Zweisimmen fährt der Zug ins Simmental — ein breites, üppiges Tal mit Bauernhöfen mit riesigen Schindeldächern und Feldern voller der berühmten Simmentaler Rinder. Das Tal ist ruhig und pastoral, ein stiller Gegenpunkt zur dramatischeren Bergkulisse davor.

In Spiez erreicht der Zug das Ufer des Thunersees. Der See erscheint plötzlich und dramatisch: eine tieftürkisfarbene Fläche mit den schneebedeckten Berner Oberland-Gipfeln — Eiger, Mönch und Jungfrau — an klaren Tagen als weiße Wand im Süden sichtbar. Das Schloss Spiez thront auf einem Vorgebirge über dem See.

Der letzte Abschnitt folgt dem Seeufer bis zur Ankunft in Interlaken West und dann Interlaken Ost — dem Hauptbahnhof für Verbindungen zum Jungfraujoch, nach Grindelwald und Lauterbrunnen.

Ticketpreise 2026

KlassePreis (einfache Fahrt)
2. KlasseCHF 64
1. KlasseCHF 104
Prestige-KlasseCHF 165

Eine Sitzplatzreservierung ist für den GoldenPass Express erforderlich:

  • 2. Klasse: CHF 10
    1. Klasse: CHF 16
  • Prestige-Klasse: inklusive

Prestige-Klasse: lohnt sie sich?

Die Prestige-Klasse ist das Markenzeichen des GoldenPass Express und eines der originellsten Reisekonzepte im Schweizer Bahnwesen. Passagiere sitzen im vorderen Bereich des ersten Wagens, hinter einer vollständigen Panorama-Glasnase — effektiv im Führerstandblickwinkel, aber in einem separaten Fahrgastabteil.

Die Sitze sind paarweise vorwärts ausgerichtet, leicht in Richtung der Frontverglasung geneigt. Der Vorwärtsblick ist ungehindert und reicht bis zum Horizont. Für den Abschnitt am Thunersee und durch die Weinbergterrassen ist dies eine wirklich außergewöhnliche Perspektive.

Was die Prestige-Klasse beinhaltet:

  • Garantierter vorwärtsgerichteter Panoramaplatz
  • Kostenloses alkoholfreies Willkommensgetränk
  • Persönlicher Service des Bordpersonals
  • Breiterer, komfortablerer Sitz als in der 1. Klasse

Zu CHF 165 all-inclusive (Reservierung inklusive) kostet die Prestige-Klasse ca. CHF 60 mehr als die 1. Klasse. Ob sich das lohnt, hängt von Ihren Prioritäten ab. Für ein einmaliges besonderes Erlebnis: ja. Für Familien oder preisbewusste Reisende: die Standardklasse mit Panoramafenstern ist wirklich gut.

Die regulären Panoramawagen

Sowohl die 1. als auch die 2. Klasse fahren in Panoramawagen mit großen Fenstern. Die Fenster sind breiter und höher als bei den meisten Schweizer Zügen, wenn auch nicht ganz so dramatisch gewölbt wie die Bernina-Express-Panoramawagen. Die Sitze sind modern und komfortabel.

Der wesentliche Unterschied zwischen 1. und 2. Klasse beim GoldenPass Express ist die Sitzbreite und die Wagenauslastung. Erstklasswagen sind ruhiger und haben weniger Passagiere. Die Fenstergrößen sind vergleichbar.

Swiss Travel Pass Abdeckung

Der Swiss Travel Pass deckt den Grundtarif für 2. und 1. Klasse beim GoldenPass Express ab. Die obligatorische Reservierung (CHF 10–16) ist nicht im Pass enthalten und muss separat bezahlt werden. Die Prestige-Klasse erfordert auch mit Swiss Travel Pass den Prestige-Zuschlag.

Die Halbtaxkarte reduziert das Basisticket um 50%. Die Reservierung wird nicht reduziert.

Buchung

Buchen Sie über SBB (sbb.ch) oder direkt bei der Montreux-Oberland-Bernois (MOB) Bahn. Reservierungen können bis zu 90 Tage im Voraus vorgenommen werden. Für Sommerreisen 3–4 Wochen im Voraus buchen. Der GoldenPass Express ist beliebt und insbesondere die Prestige-Klasse ist oft ausgebucht.

Beste Sitzplätze

Standard und 1. Klasse: Sitzen Sie auf der rechten Seite in Fahrtrichtung Montreux–Interlaken für den besten Blick auf den Genfersee am Anfang und den Thunersee am Ende.

Praktischer Tipp: So früh wie möglich buchen und bei der Buchung spezifische Sitzplätze auswählen. Die Wagen füllen sich, und die besten Fensterplätze gehen zuerst weg.

Was Sie entlang der Strecke sehen

Lavaux UNESCO-Weinberge

Die Weinberge zwischen Montreux und Vevey gehören zu den schönsten in Europa. In steile südseitige Terrassen über dem Genfersee gemeißelt, werden sie seit dem 11. Jahrhundert bebaut. Die hier produzierten Weine — hauptsächlich Chasselas — werden selten exportiert, aber in der ganzen Schweiz serviert. Der GoldenPass Express bietet in den ersten 20 Minuten der Reise ein sich bewegendes Fenster auf diese Landschaft.

Château-d’Oex und das Pays-d’Enhaut

Das Hochland zwischen Rougemont und Saanen ist sprachlich Französisch, aber historisch Bernisch — es kam 1555 durch Kauf an den Kanton Bern und behält einen hybriden Kulturcharakter. Die Bauernhöfe sind chaletstyle, aber die Straßenschilder sind auf Französisch. Der Käse ist Raclette-Landstil: reichhaltig, leicht schmelzend. Hier aussteigen, wenn Sie fernab des Touristentrubels erkunden möchten.

Gstaad

Der Zug hält in Gstaad — einem kleinen, relativ unscheinbaren Bahnhof für eines der exklusivsten Skiresorts der Welt. Das Dorf Gstaad, 5 Minuten Fußweg vom Bahnhof, ist wirklich schön: autofreies Zentrum, alte Bauernhöfe zu Boutiquen umgebaut, Bergkulisse. Einen Halbtages-Zwischenstopp wert, wenn der Terminplan es erlaubt.

Spiez und der Thunersee

Schloss Spiez, das über seiner eigenen Weinberg-Halbinsel in den Thunersee hineinragt, ist eines jener Schweizer Postkartenmotive, das man kaum glauben kann, wenn man es vom Zug aus sieht. Das mittelalterliche Schloss ist von April bis Oktober für Besucher geöffnet. Der See dahinter erstreckt sich tief ins Berner Oberland. An klaren Tagen füllt die Niesen-Pyramide und die vergletscherten Gipfel jenseits von Kandersteg den südlichen Horizont.

Praktische Tipps

Tipp 1 — Ab Montreux reisen für das beste Erlebnis. Der Aufstieg aus Montreux durch die Weinberge wirkt im Morgenlicht am besten. Nachmittäglicher Dunst auf dem Genfersee kann die Sichtweite reduzieren. Die Morgenabreise aus Montreux bringt Sie bis Mittag nach Interlaken.

Tipp 2 — Zwischenhalt in Gstaad oder Château-d’Oex. Beide Dörfer verdienen mehr als einen Blick aus dem Fenster. Der Swiss Travel Pass erlaubt das Aussteigen und Weiterfahren mit einem späteren Zug ohne zusätzliche Kosten.

Tipp 3 — Mit der Genfersee-Schifffahrt kombinieren. Von Luzern oder Bern nach Lausanne oder Vevey fahren, ein Schiff auf dem Genfersee nach Montreux nehmen und dann den GoldenPass Express besteigen. Die Kombination aus See und Bergbahn ist eine ganztägige Reise.

Tipp 4 — Die umgekehrte Richtung ist ebenso gut. Viele Reisende, die in Interlaken wohnen, nehmen den GoldenPass Express nach Montreux für einen Tagesausflug. Die Aussichten über den Thunersee am Beginn der Rückfahrt sind spektakulär.

Tipp 5 — Die Belle-Époque-Sonderzüge beachten. An bestimmten Tagen betreibt die MOB-Bahn spezielle Belle-Époque-Wagen — restaurierte Art-déco-Wagen aus den 1930er Jahren mit holzvertäfelten Innenräumen und Originalausstattung. Diese fahren an bestimmten Daten und lohnen sich für Eisenbahnbegeisterte.

Anschlüsse ab Interlaken

Von Interlaken Ost:

  • Jungfraujoch: Bernese Oberland Bahn nach Grindelwald oder Lauterbrunnen, dann Zahnradbahn. Gesamtreise ca. 2,5 Stunden pro Richtung.
  • Grindelwald: 35 Minuten per Zug, mit dem Eiger direkt im Blickfeld.
  • Lauterbrunnen und Wengen: 20–40 Minuten für das Tal der 72 Wasserfälle.
  • Luzern: Der Luzern-Interlaken-Express fährt in ca. 2 Stunden über den Brünigpass.

Anschlüsse ab Montreux

Von Montreux:

  • Genf: 50 Minuten per IC, Flughafen Genf weitere 8 Minuten.
  • Lausanne: 20 Minuten per IC.
  • Bern: 1 Stunde 20 Minuten über Lausanne.

Der GoldenPass Express ist die neueste Ergänzung des Schweizer Panoramazug-Portfolios und bietet eine Dimension, die die älteren Strecken nicht haben: die dramatische Direktüberquerung von der französischsprachigen Riviera in das deutschsprachige Berner Oberland in einer einzigen ununterbrochenen Fahrt.

Sie können den Swiss Travel Pass online kaufen, der den Grundtarif auf dieser Strecke abdeckt.